20./21.09.2014 CHLOUSESPASS – WANDERWEEKEND

Chlousespass_2Das Tal der Mikrogondeln
Aus (für mich als Heimwehbernerin) nicht ganz erfindlichen Gründen entschliesst sich das SPECIAL-EVENTS-Komitee auch dieses Jahr, das Wanderparadies Berner Oberland/Wallis gegen die Zentralschweiz einzutauschen. Wiederum ist der grosse Vorteil für mich, dass ich den kürzesten Anfahrtsweg habe und noch in den Federn liegen darf, als die Berner Rolf & Ursi, Giovanna, Sue, Siuv und Sigi, sich bereits am Bahnhof versammeln müssen. Dafür drehe ich dann eine Extravolte, um Thomas abzuholen, welcher – SBB sei Dank – irgendwo zwischen Zürich und Zug steckenbleibt und deshalb den Anschluss in Arth Goldau verpasst! Mir reicht es gerade noch, um Sigi und Rolf ein erstes „Guete Morge“ zuzurufen, bevor sich der Zug mit den Bernern „gen“ Flüelen in Bewegung setzt. … Nach einer Schnitzeljagd per Handy (wie hätten wir das früher gemacht?) finden Thomas und ich uns schliesslich zwischen den beiden Bahnhöfen in Arth Goldau; nach kleineren Ausflügen Richtung Rigi und Tierpark Goldau… „Gschäch nüt Schlimmers“ – auf ins Schächental!

Nachdem bereits 2013 mit dem Niederbauen ein Innerschweizer Hoger auserwählt worden war, ist diesmal kein Gipfel, sondern eine Passüberschreitung (bzw. Überfahrung, Überführung, oder wie will ich das korrekt umschreiben?) das Ziel der Wanderung: der Klausenpass.

Am ersten Tag schweben wir mit Mikrogondel Nr. 1 (Ruogig, Bürglen-Brügg) elegant die steilen Wände des Schächentals hoch, erwandern den Schächentaler Höhenweg (wirklich: total flach! – nur 520 Höhenmeter!) bis zum Klausenpasshotel und fahren dann mit dem Poschi nach Urnerboden, wo wir im gleichnamigen Hotel übernachten (nicht schlafen, denn im Urnerboden treiben sich Horden mythischer Cousins und Cousinen herum, die nächtens ein Höllenspektakel veranstalten und noch morgens um 6 Uhr mittels Bier geölter Stimmbänder ein Jodlerchörli vom Strübsten imitieren…).

Die Mikrogondel Nr. 1. ist also so winzig, dass Thomas und ich daran vorbeifahren und wir erst in der nächsten Gemeinde Spiringen bemerken, dass wir wohl schon wieder den Anschluss verpasst haben. Handy sei Dank (WIE haben wir das früher gemacht???) kehren wir bald um und Rolf weist uns auf den gut versteckten Parkplatz Nr. 3, wo es in 2 Fuhren mit dem Gondeli aufwärts geht.

Bei überraschend schönem und heissem Wetter können wir diese erste Etappe voll geniessen, schöne Ausblicke wechseln sich mit Waldpartien ab, der Wanderweg ist vielseitig und dank nur kurzen schweisstreibenden Aufstiegsstellen ein richtiger Genuss. Wir picknicken unterwegs und geniessen im Bergbeizli kühles Bier, kalte Milch und Coci Zero -die betreffenden Personen erkennen sich in der Auswahl sicher wieder!

Die Sicht auf Gipfel und Gletscher ist eindrücklich und der Klausenpass schliesslich nicht mehr weit. Das Poschi nimmt uns in Klausenpass Hotel auf – und das ist jetzt das Fiese – das Hotel steht eben nicht auf der Passhöhe, sondern etwas darunter. Weshalb wir den Pass nicht überschreiten, sondern überfahren oder so… Der Pass wäre dann für Tag 2 geplant gewesen, aber die ziemlich beängstigende Wetterprognose lässt auch die grössten Optimisten ins Zweifeln kommen und Petrus schüttet gleich bei Ankunft im Hotel ein wenig, um uns Angst zu machen.

Das Hotel hat schöne Zimmer und wirklich gutes Essen, ich genehmige mir ein zartes Hirsch Entrecote mit Wildrahmsauce – selten so gutes Wild gegessen!

Den versammelten Urner Cousins und Cousinen trotzen die meisten nicht allzu lange. Mir gefällt die Schwyzer Volksmusig, klassisch mit Örgeli und Bass, daher harre ich bis um 22.30 aus.  Den anderen liegt die Musik wohl eher quälend in den Ohren, denn die meisten verschwinden zeitig im Bett!

Diese Bödeler sind wirklich zäh: der harte Kern ist effektiv am Morgen um Sieben Uhr noch am Saufen und Singen! Und die fahren dann wohl nicht mit der Gondel oder dem Poschi nach Hause…

Der zweite Wandertag beginnt verhangen und regnerisch, aber nach dem üppigen Zmorge zeigen sich bereits wieder erste „blaue Störungen“ am Himmel ab und Petrus dreht zwischenzeitlich den Hahnen zu.

Rolf entscheidet deshalb, dass wir die 2. Etappe wie geplant in Angriff nehmen, d.h. Mikrogondel Nummer 2 auf den Fisetenpass, wo wir dem Grat entlang zurückwandern wollen bis auf den Klausenpass. Es ist deutlich kühler geworden, die „Erstgöndeler“ bewaffnen sich in der Bergstation mit allerhand Zusatzkleidung, wie Kappen, Händsche, Regenhosen und Windjacken – die wir kurz nach dem Start auch wirklich benötigen. Wegen des luftigen Wetters lassen wir auch den Jass auf dem wohl aussichtsreichsten Spieltisch der Zentralschweiz sein! Immerhin können wir die Aussicht auf die grösste Alp der Schweiz hinunter geniessen und es nieselt auch mehr, als dass es wirklich regnet. Schade, ist das meiste Vieh schon wieder ins Tal zurückgekehrt, es hat nur noch wenige Kühe auf den Weiden.

Da sich immer wieder Nebelschwaden und Wolken auf den Clariden Höhenweg heruntersenken, beschliesst unser Eventmanager an der letztmöglichen Kreuzung dann doch: Sicherheit vor Abenteuer!! Wir kürzen das letzte Stück ab, wo die Markierungen fehlen und eine Steilwand mit lockerem Geröll den Weg begrenzt. So verpassen wir zwar die spektakulärste Aussicht, gelangen aber auf gemütlichem Wanderweg sicher hinunter zur vorderen Chlus, wo wenige Minuten später das Poschi aufkreuzt und uns auf den Heimweg zurück bringt. Mein Knie dankt…

Da die Wetterlage unsicher ist und uns gemäss Meteo bald der Durchgang einer wirklich üblen Front erwartet, beschliessen alle, im Poschi sitzen zu bleiben und keinen Halt auf dem Klausen mehr zu machen. Da ich mein Auto im Talausgang parkiert habe, bin ich im Nu wieder daheim, nachdem ich Thomas in Arth-Goldau abgesetzt habe.

Im Aegerital kann ich noch genau 1.5h im Bikini auf dem Balkon liegen und die strahlende Sonne geniessen, bevor mich der Wetterumschwung mit Blitz, Donner, Regen und kaltem Wind zurück in die Wohnung scheucht. Ich zügle also dann mit einem zweiten Glas Prosecco direkt vom Balkon in die heisse Badewanne ☺… – ein gediegenes Wochenende!

Vielleicht sollten wir jetzt gelegentlich mal ein kleines Schmiergeld an Petrus überweisen, damit er uns zwei schöne Tage am Stück gönnt? Andererseits dürfen wir in diesem verregneten Jahr wohl froh sein, das wir überhaupt einen schönen Wandertag erwischt haben.

Und wie immer zum Schluss: besten Dank für die perfekte Organisation, ich bin sicher auch das nächste Mal wieder dabei!

Isabelle Not, Unterägeri, 22.9.2014