19.11.11 BASIC TROPICS

RPJ. Am Samstag um 0839 setzte sich der „Lötschberger“ in Bern langsam in Bewegung. Auf den von SPECIAL-EVENTS reservierten Plätzen sassen gerade mal Sigi und Rolf. Nun gut, dann waren die anderen ab Bern Reisenden halt wohl doch mit dem Auto angereist… Super, stiegen in Münsingen dann noch Karin, Ursula, Giovanna und Chrigu zu. Denn diese entdeckten nämlich die „Vermissten“ im vordersten Zugsabteil. Bedingt durch eine etwas kuriose Platzierungsangabe für die reservierten Plätze auf dem Perron in Bern waren Heidi, Sarah und Fritz zuvorderst eingestiegen und hatten sich dort der noch genügend freien Plätze bemächtigt. So konnte dann die BASIC-TROPICS-TRAIN-Family noch vor dem Bahnhof Thun zusammengeführt werden.

Vor dem BLS-Interventionszentrum in Frutigen warteten dann zum einen noch die Auto-Anreisenden Schneiti, Trix, Nathalie und Stephan sowie die BLS-Besucherführerin Cornelia Grossen und eben auch noch „Andi“.

„Andi“ wohnt in Zürich und hatte am Samstag ausser einem Besuch bei Verwandten in Frutigen gerade nichts anders los und so „lungerte“ er etwas um das Interventionszentrum herum in der Hoffnung, evtl. gleich in einer Führung „Unterschlupf“ zu finden. Dank einer kurzfristigen Abmeldung eines verhinderten Angemeldeten nahmen wir „Andi“ in unserer Gruppe auf und schon nach kurzer Zeit hatte unser „finanzielles Gewissen“ ihm auch seinen Beitrag an die Führungskosten abgezwackt.

Frau Grossen führte und dann in einen Schulungsraum in welchem wir „in den Berg“ blicken konnten. Ein Modell der gesamten Tunnelanlagen welches uns das Gewirr von Bahn-, Stras-sen-, Hilfs-, Dienst-, Service- und Lüftungsstollen etwas entwirren sollte. Alle 333 Meter ein Querschlag in einen Rettungstunnel, ein grosses Löschwasser-Reservoir in Mitholz und dafür nur gerade 7 Hydranten auf 35 km, dieses Verhältnis schien uns Laien etwas gar knapp. Nachdem wir diesen Tunnel-Salat und das Rettungskonzept etwas verinnerlicht hatten ging’s wieder die Treppe runter und wir konnten aus nächster Nähe den Lösch- und Rettungszug erkunden. Das Gefährt mit 52’000 Litern Löschwasser, Wasserwerfer und Sauerstoffflaschen bis zum Abwinken beeindruckte alle, besonders natürlich die bei einer Feuerwehr Dienst Leistenden unter uns. Ebenso beeindruckend die selbstfahrende Rettungseinheit mit vielen Steh- und Tragbahrenplätzen.

Schon durften wir selber Leuchtwesten anziehen und uns einen Helm für die Reise unter Tag aussuchen (es hatte blaue, blaue und blaue)… In einem 15-Plätzer-Bus chauffierte uns Frau Grossen entlang der letzten sichtbaren Unwetterschäden nach Mitholz. Wir passierten das Sicherheits-Tor, die Druck-Ausgleichs-Schleuse und schon ging’s – nun innen im Berg – wieder ziemlich steil runter bis wir auf Schwellenhöhe des Basistunnels ankamen.

Nach einem kurzen Fussmarsch erreichten wir das Fenster aus Panzerglas, hinter welchem gleich um 1110 Uhr der Intercity Brig – Bern mit ca. 200 km/h vorbeidonnern würde. OK, Frau Grossen korrigierte sich, hatte doch der Tunnel-Operator in Spiez (er konnte die Bähnler-Genauigkeit nicht ganz verbergen) exakt 1111 Uhr gesagt. Eine halbe Minute vor 1111 setzte auch hinter dem Panzerglas ein immer stärker werdender Luftzug ein, ebbte kurz ab um dann noch einmal zum Finale zuzulegen. Punkt 1111 konnten wir dann während 6 Sekunden (so lange ist der Zug vor dem Fenster sichtbar) den IC bewundern. Zugegeben, wir konnten nicht genau sehen, ob irgendwer die Schuhe auf dem Sitz hatte oder vielleicht sogar verbotenerweise den Rucksack auf einem freien Sitz parkiert hatte, aber eine eindrückliche Demonstration von Geschwindigkeit war’s trotzdem …

Noch fast beeindruckender als der Luftdruck vor der Zugsdurchfahrt war der Unterdruck, welcher der IC hinter sich herzog. So gab es dann also trotz Druckschleusen hier im Unter-grund eine ziemlich steife Bise zu verspüren. Durch ein Panzertor gelangten wir wieder in einen Verbindungs- und Versuchsstollen und konnten da bewundern, was die Tunnel-Ausrüster alles für Tests gemacht hatten und wie eigentlich das Bahntrassee im Tunnel aufgebaut ist.

In einer weiteren Kaverne konnten wir hinter einem Mega-Panzertor noch eine Steuerungszentrale besichtigen. Für uns Laien bestand die hauptsächlich aus einigen grossen Edelstahlcontainern, welche die Aufgabe haben, die empfindliche Elektronik zu schützen. Auf dem Rückweg zum Besucherbus schafften wir es also, uns an einer Besuchergruppe mit Englischen Lords vorbei zu bewegen ohne dass die beiden Gruppen durchmischt wurden…

Nachdem Frau Grossen überprüft hatte, dass niemand verloren gegangen war, chauffierte sie uns wieder ans Tageslicht und zurück nach Frutigen.

Der Besuch der Interventionstreppe vor dem Nordportal (namentlich die breiteste Treppe Europas –> oder gar der Welt?) fiel der fortgeschrittenen Zeit zum Opfer. Wir konnten uns beim Interventionszentrum noch von den Leuchtwesten, Helmen und „Andi“ befreien und wurden dann netterweise direkt zum Tropenhaus gefahren…

Im Tropenhaus wartete nach einem ersten Kontakt mit dem im Tropenhaus herrschenden feuchtwarmen Klima unter Palmen bereits der gedeckte Mittagstisch auf uns… Dies übrigens bereits wieder bei durchaus kontinentalen klimatischen Verhältnissen. Nach einem herrlichen Salat (so wurde es zumindest dem Schreiber zugetragen…) konnten wir Stör-Hackbraten und Zitronenkartoffelstock mit einem Proseccoschaum-Säucelchen geniessen und jene, welche diese Sauce gezielt einsetzten, fanden die „Geschichte“ nicht einmal trocken. Zum Dessert gab’s noch eine fernöstlich angehauchte Crème und einen Kaffee oder so.

Frisch gestärkt ging’s nach dem Bezahlen wieder in Richtung Eingang und einige Teilnehmende nutzten die wenigen bis zur Führung verbleibenden Minuten für einen ersten Besuch im Tropenhaus-Shop. Exakt um 1445 waren beide Besucherführerinnen verfügbar und so begrüssten uns die Frauen Sabine Reber und Verena Schäfer zur Führung durch das Tropenhaus. Die Führung würde sich aufteilen in einen „Energie-Bereich“ und einen „Fisch-Bereich“. So erläuterte uns Frau Reber die Energiegewinnung aus Trinkwasserüberschuss, Fotovoltaik und warmem Wasser aus dem Basistunnel. Wir streiften die Ausstellung „warum ist die Erde warm“ (welche übrigens noch bis auf weiteres verlängert wurde), und erfuhren dann an und bei einem Modell unserer guten Mutter Erde, wie das mit der Geothermie funktioniert und welches Potential da unter unseren Füssen „schlummert“ und vor allem brodelt.

Wie schon am Morgen in Frutigen vergrösserte sich plötzlich unsere Gruppe erneut. Nur, dass sich diesmal „Trittbrettfahrer“ einfach so an unsere Gruppe angehängt hatten. Dank den kompetenten und auf diese Situation vorbereiteten Führerinnen wurden diese jedoch gleich beim der Übernahme durch die „Fisch-Führerin“ elegant und einfühlsam „aussortiert“…

Frau Schäfer erläuterte uns detailliert, woher der Stör kommt, welche Arten dass es gibt und dass der Stör ein Platten-Skelett (und keine Gräte) hat und anstelle von Schuppen eine Art von Haut. Anhand einer übersichtlich bebilderten Wand wurde uns der „Lebenslauf“ des in Frutigen gezüchtete sibirischen Stör’s nähergebracht. Mit drei Jahren wird mit Ultraschall festgestellt, welche Stör weiblich und welche männlich sind. Während die Jungs schon kurz darauf als Stör-Filet oder eben z.B. Stör-Hackbraten enden, dürfen die Weibchen noch einmal 3 Jahre im abgedunkelten und so als tief „simulierten“ Tunnelwasser umherschwimmen und Würmer oder andere Leckereien naschen…
Irgendeinmal haben dann auch die Weibchen das letzte Becken erreicht und sie werden mit ca. 6 jährig durch einen Stromschlag erlöst, so dass der Kaviar direkt aus ihm (oder müsste man hier sagen „ihr“) entnommen werden kann. Ja und dann, dann teilt das Stör-Mädchen das Schiksal ihrer vor 3 Jahren ums Leben gekommenen männlichen Spielkameraden…

Sollte tatsächlich jemand den Bericht bis hier gelesen haben und vielleicht schon einmal „Oona“-Kaviar genossen haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass wir möglicherweise die Lieferanten-Störin zu ihren Lebzeiten bereits einmal beim Baden beobachtet haben… Falls Ihr den „Oona“-Kaviar übrigens vor Anfang November genossen habt, dann währet ihr wohl einer Fälschung aufgesessen. Den echten „Oona“-Kaviar aus Frutigen gibt’s nämlich erst seit dem 2. November 2011. Aktuell werden in Frutigen ca. 30’000 Störe gehalten, sollte das Geschäft erfolgreich weiterlaufen ist ein Ausbau auf über 60’000 Störe geplant und möglich.

Nach einem Besuch beim Stör-Schaufenster, hinter welchem in einem riesigen Aquarium Störe verschiedenster Rassen schwammen ging’s zum Abschluss noch ins eigentliche Tropenhaus, in welchem allerhand exotische Früchte gedeihen wie Erdbeeren, Rüebli und Zwiebeln… …äääh, Ananas, Mangos, Chilis, usw. Exakt um 1615 erreichten wir den Ausgang und somit auch pünktlich den Zug zurück in Richtung Bern.

Gerne blicken wir auf einen weiteren, überaus interessanten und kulinarisch speziellen Event zurück. Wir danken daher auch an dieser Stelle den überaus kompetenten Besucherführerinnen der BLS und dem Tropenhaus ganz herzlich für die informativen und interessanten Ausführungen und wir sind sicher, dass sich einzelne oder mehrere unter uns wieder einmal in Richtung Frutigen „aufmachen“ werden.

Last but not least danken wir auch allen Teilnehmenden für ihr Interesse und der Organisatorin dieses tollen Samstag-Events ganz herzlich für die einmal mehr perfekte Organisation. Es hat Spass gemacht, dabei zu sein!

Rolf Peter, Eventmanager SPECIAL-EVENTS