06.+ 07.11.10 PLAY THE GAME

Wie viele Leutchen haben wir gefragt, ob sie einen Bericht über diesen Event schreiben möchten?… Wie oft hörten wir „ach, ich bin ja soooo früh zu Bett gegangen“ oder „ooooch, ich habe soooo lange geschlafen und sicher viel verpasst“… Endlich haben wir jemanden gefunden, welcher wirklich den ganzen Anlass vom Beginn bis zu dessen Ende erlebt hat und der bereit war, etwas aus seinem „Nähkästchen“ zu plaudern…

Ein Pfadihaus erzählt…

«Puuuuh, ich bin ganz schön geschlaucht… vor gut einer Stunde ist der letzte dieser wahnsinnigen Truppe gegangen. Das Licht ist gelöscht, ich bin wieder picobello poliert und bereit für einen nächsten Einsatz!

Es begann eigentlich bereits knapp zwei Wochen vor diesem nasskalten Wochenende. Am Montagabend besuchten mich 3 Personen. Das lustige dabei war, dass alle 3 mit dem Fahrrad anreisten. Die eine kannte ich bereits… Das war Frau Steiner und sie hat schon vielen mein Innenleben gezeigt. Wer aber waren die beiden anderen? Nun, das – sagen wir mal – männliche Individuum nannte sich irgendwie wie „Iwentmänätscher“ oder zumindest so ähnlich, seine Partnerin sprach er komischerweise so irgend mit einem Hundenamen an… Frau Steiner zeigte den beiden also mein Intimstes. Sogar die Schlafräume im ersten Stock wollten sie sehen und auch die Waschräume und natürlich die Küche. Jede Schublade wurde erforscht und jede Türe musste ich öffnen, damit sich die engagierte Frau (ihn schien das alles weniger zu interessieren) wohl ein Bild von mir machen konnte.

Nun, ¼-Stunde später hatten die beiden offenbar genug gesehen und ich konnte wieder in Ruhe weiterdösen.

Am 6. November, ich glaube das war ein Samstag, hatte ich den ganzen Nachmittag eine Pfaditruppe zu Besuch, welche mich aber glücklicherweise nur am Rand benötigte. Trotzdem war ich froh, als es gegen 1800 Uhr endlich etwas stiller wurde und ich freute mich auf ein geruhsames Wochenende. Doch noch bevor die Powell-Nachfolger ganz abgezogen waren fuhr – nein, nicht ein Fahrrad – sondern ein Auto auf den Platz neben mir. Huuuuh, nicht so nahe dachte ich noch, wer kommt denn da… Du hast es sicher schon erraten… Es waren wieder die beiden, da der „Mänäscher“ und seine liebe Frau. Im Schlepptau hatten sie nebst einem Feuerwehrspezialisten noch einen Futter- und Getränkenotvorrat für mehrere Tage, kistenweise Gesellschaftsspiele und sogar ihre Schlafsäcke hatten die drei dabei. Während Ursula (so wurde sie jedenfalls vom Feuerwehrspezialisten genannt) umgehend meine Küche unter ihre Kontrolle brachte, begab sich der Anführer der Bande mit einem der für mich Verantwortlichen nochmals auf einen Rundgang duch mein Innenleben. Nachdem er offenbar alles für tauglich befunden hatte, begab er sich wieder zum Feuerwehrmann in meinen Aufenthaltsraum.

Inzwischen war zu Fuss und fast unbemerkt der Herr des Pinsels bei mir eingetroffen und während Ursulas „Geköch“ auf meinen Glaskeramikplatten himmlisch zu duften begann, statteten die drei Männer meinen Aufenthaltsraum mit einer Riesenmenge Tische aus. Pooooach ! ! ! Kommen da noch so viele Leute ?

Schon bald stellte ich aber fest, dass nur die eine Hälfte der Tische gedeckt wurde. Na ja, offenbar wollten die iiiirgendwie noch ein paar Reservetische haben… übrigens… ich hätte in meinem Reservoir noch einige Tischchen mehr gehabt…

Nach und nach kamen immer mehr Leute zu mir. So eine ganz Grosse, welche offenbar den Namen einer Kaiserin übernommen hat und dann ein Paar aus dem Seeland, welches sich damit brüsten konnte, bereits den Nachwuchs unseres Präsidenten live gesehen zu haben. Schon wieder ein Paar trudelte ein, diesmal aus dem Norden von Bern, iiiirgendwie schienen beide mit dem Hals zu haben. Läck, sprachen die eine komische Sprache. Ich als Gastgeberlokal schätzte es aber natürlich, dass sie trotz Nachwuchs für ein Wochenende für mich entschieden hatten.

Dazu gesellte sich noch der Herr der dynamischen Spielregeln mit einem gewissen Hang zu irgend so einem Hochprozentigen – Grandmarnier oder so… Na ja, ganz nobel, auch eine „Madame“ stiess noch zu uns. Na ja, die mit dem kleinen Geheimnis, aber dazu später noch mehr… Dann kam noch der mit dem so lustigen Namen, ich weiss nicht mehr genau, jedenfalls muss der seine Wurzeln und Ahnen/Urahnen iiirgendwo im Osten der Schweiz haben und vor allem: Er war zuständig für die Einhaltung des angegebenen Zeit- und Ablaufplans dieser Veranstaltung.

Nachdem auch noch das „Traumpaar aus dem Kochtopf“ [vgl. Bericht WHITE STONE TRAIL, Anm. der Redaktion] aus dem Gürbetal eingetrudelt war, startete der Mänätscher mit ihnen einen Rundgang in meinen oberen Stock. Während er ihnen meine süssen Zimmerchen vorstellte und die Gäste die Schlafräume nach „mit offenen Fenstern“ und „ohne offene Fenster“ aufteilten trudelten nochmals zwei Personen ein. Schon wieder ein Feuerwehrmann, wovon noch etwas grösser als der erste und auch der liess sich von seiner Partnerin begleiten – jene Frau, die wohl das fahrende SBB-Personal zwischen Bern und Zürich bereits ausnahmslos persönlich kennt.

Sofort nahmen die Anwesenden meine Zimmerchen in Beschlag, bereiteten ihre Schlafsäcke aus und bezogen die Kissen. Uuuunglaublich, aber die hatten noch mehr Spiele mitgebracht – könnte es sein, dass SPIELEN heute Abend das Ziel sein sollte ? Die Spiele wurden auf den nicht gedeckten Tischen ausgelegt, damit sie dann sofort zur Verfügung stehen würden.

Doch noch war nichts mit spielen. Das, was ich zuerst als Donnergrollen interpretierte waren offenbar die Mägen meiner neuen Bewohner. Nachdem die fleissige Arbeitsbiene in meiner Küche bisher alles alleine gebrutzelt und fast* alle Hilfsangebote (*Ausnahme war zB. die „Kraut-Aufbereitung“ oder der Pasten-Transfer der „Pesto-Schmiere“ ins Serviergeschirr) entschieden ablehnte, durften dann doch zwei Herren die grosse Pfanne ausleeren. Komische Menschen, da machen Sie in meiner grössten Pfanne Wasser heiss nur um es dann wieder auszuleeren. Na ja, so ein paar offenbar leckere weisse Fäden blieben dann doch in der Pfanne zurück und wurden so aufs Buffet geliefert. Zusammen mit so verschiedenem feinen Sud den ich nicht so genau identifizieren konnte. Dann gab’s noch eine ganze Menge kaltes Kraut an verschiedenen Saucen. Na ja, wem das schmeckt…

Nun… es schien allen irgendwie zu schmecken, es wurde nämlich sofort etwas ruhiger und es wurden nur noch vereinzelte tiefer gehende Gespräche geführt. So konnten dann „Madame“ und die Dame aus dem HotPot unter vier Augen klären, weshalb die S-Bahn in Ostermundigen und Wankdorf durchgedonnert ist und so erst in Bern zum „Still“-Stand kam… Na ja…

Irgendwie fühlte sich die Küchenverantwortliche voll in ihrem Element. Wahrscheinlicher noch: Sie wollte einfach, dass nun alle anderen sich aufs Spielen konzentrieren konnten. Sie riss auch die Abräumarbeit und den Abwasch an sich und jagte die andern förmlich an die Spieltische.

Ich hörte Ausdrucke wie Monopoly, Siedler, Sternenfahrer, Schafscheissalarm, Pusher und noch viele andere Ausdrucke, welche mir teils mehr, teils weniger bekannt vorkamen. So gingen die Stunden dahin und die Pfannen und das Geschirr in der Küche wurden auf wundersame Weise wieder sauber. Dies selbst dann, wenn meine eigene Industrie-Waschmaschine an ihre Grenzen stiess, das Heinzelfrauchen in der Küche „fidelte“ alles auf Hochglanz.

Um 2215 Uhr standen plötzlich Kuchen und Kekse bereit und die Spielenden liessen vorübergehend einmal das Spielen Spielen sein. Iiiirgendwer hatte da offenbar dafür gesorgt, dass den Spielen Sorge getragen wurde und eine strickte Trennung des Futterns vom Spielen bestand.

Die Sternenfahrer fuhren noch eine Runde und auch beim Monopoly wurden Immobilientransaktionen wie zu den besten Zeiten in den USA getätigt. Gekauft, verkauft, vermietet… Es war wohl kurz nach Mitternacht, als sich die ersten aufmachten, den Schlafsack von innen zu erforschen. Nur eine unentwegte, karrieregeile Truppe fröhnte ihrem Spiel bis sich die dunkle Nacht bereits darauf vorbereitete, dem Sonntag Platz zu machen. Zwei Bosse teilten sich die Unternehmung untereinander auf und ein dritter schaffte es, nie zum Tellerwäscher zu avancieren. Nun – am Sonntag gab’s dann noch mehr Bosse und auch Tellerwäscher…

Als dann auch diese Spieler genug hatten und sie mich noch einmal richtig durchgelüftet und bereits den Frühstückstisch gedeckt hatten ging es bös gegen 0600 Uhr und ich freute mich auch noch ein paar Stunden Erholung. Ein Trugschluss musste ich feststellen. Nur wenige Minuten nachdem als letzter der Mänätscher ins Pfadileiter-Bett geplumpst war, machte sich bereits wieder das Heinzelfrauchen in meiner Küche zu schaffen.

Die Tische waren noch in der Nacht von den beiden letzten Nachtschwärmern geputzt und frisch gedeckt worden und schon begann in meiner Küche das Kaffeewasser zu kochen. Der einzige, der mir mit dem Auto so nah kommen durfte, holte dann kurz nach 8 Uhr frisch Gebackenes und die neuste, bildende Zeitung ? die mit den grossen Buchstaben vorne drauf. So konnten die kurz darauf eintrudelnden Frühaufsteher, allen voran Sleepless-Sissi die neusten News erhaschen und testen, ob die teils nicht wirklich soooo wach wirkenden Äuglein bis zur Zeitung reichten… Ziemlich genau um 10 Uhr wurde dann pünktlich das Frühstücksbuffet eröffnet. So konnte auch dem Herr des Zeitplans Recht getan werden. Leider fehlte beim Frühstück die Seeland-Delegation – irgend ein Lauscher-Leiden hatte die zwei mitten in der Nacht zum Aufbruch ins heimische Bett veranlasst. Ich hoffe, dass sich die Lady wiederum ganz erholt hat und sich die Schmerzen nicht bei mir eingehandelt hat. Zwar liess ich mich während er Nacht nur schwer durchlüften, ich bin übrigens sehr dankbar, dass die Lüftungsverantwortlichen nicht all diese Viecher in mich reingelassen haben.

Wieder zurück zum Frühstück… Was es da alles zu futtern gab… Zopf, Brot in verschiedenen Variationen, Müesli, Eier und Brotaufstriche à-gogo. Wie bereits am Vorabend musste sicher niemand hungrig vom Tisch.

Auch nach dem Morgenessen reinigte sich die Küche wie von selbst. Hat da wohl wiederum die Küchenjungfer gewütet… Na ja, mir soll’s recht sein, ich bin froh, wurde alles so blitzblank geputzt. Schön war, dass während die Küche gebürstet und gedüdelt wurde, die übrigen Anwesenden bereits meine Räume im oberen Stockwerk lüfteten, reinigten und abgabebereit erstellten, so dass der Mänätscher mein oberes Stockwerk schon ein erstes mal abschliessen und ich mich dort schon mal etwas erholen konnte.

Im Aufenthaltsraum ging dann die Spielerei bereits weiter. Nebst unentwegten Siedlern und den immer noch Karriere-Versessenen wurde noch das eine oder andere Pusher-Spiel gespielt. Dies während sich einzelne Spielerinnen und Spieler bereits von mir verabschiedeten. Iiiirgendeinmal hatte dann auch das Heinzelfrauchen in der Küche genug gewirkt und liess sich nach Hause fahren, so nehme ich jedenfalls an. Ich denke mal, dass es da halt auch noch dieses oder jenes, was nicht verfuttert wurde, wegzuräumen gab.

So gegen 1400 Uhr begann der Mänätscher dann mit den Bossen, Meistern und Tellerwäschern einmal mit dem Zusammenräumen der Tische. Nur die Siedler, die gaben ihren Tisch nicht so schnell her. Nicht einmal als der Organisator ganz ruhig auf 10 zählte – er hatte sich die Finger an einem meiner Tischbeine eingeklemmt – gaben sie auf. Erst als sie dann einen Sieger ermittelt hatten, konnte auch das Spiel und dieser Tisch wiederum weggeräumt werden.

Eine richtige Wohltat durfte ich nachher erfahren… Nun wurde auch mein unteres Stockwerk gebürstet und gewaschen, die Toiletten sauber geputzt und gleichzeitig hatte ich dann endlich auch in der Küche wieder alle meine Tassen (sauber) im Schrank. Ich wurde nochmals herrlich durchgelüftet und genoss die frische Luft und die sauberen Flächen in all meinen Räumen und freue mich schon wieder auf einen nächsten Besuch.

Mein Empfinden hatte mich nicht getäuscht – eine gute ½-Stunde nachdem die letzten Spieler abgezogen waren, erschien noch einmal der Häuptling der Spieler und ging mit einem Pfadi-Verantwortlichen durch meine Räume und er erntete auch von diesem nur Lob. Selten würde ich sooo sauber und picobello übergeben wurde entschieden…

Also, wer auch immer mich benutzt und geputzt hat, ganz herzlichen dank, dass Ihr mir Sorge getragen habt und ich sooo lieb und nett behandelt wurde. Danke auch der Küchenfee und allen, welche mich an diesem Wochenende mit Leben und guter Stimmung ausgefüllt und mich sooooo glücklich gemacht haben ! ! ! So macht mein Leben einen wirklichen Sinn und ich würde mich freuen, wenn ich Euch schon bald wieder in meinen Räumen und in meiner Nähe wissen dürfte…

Liebe Grüsse,

Euer Pfadihaus Chutzerüti Münsingen