15.+ 16.07.2017 HIKE AND FUN

Vom Wetter bis zum Warten…

Ein Wander-Wochenende der Superlative –
SPECIAL-EVENTS unterwegs in den Freiburger Voralpen!

 

TAG 1

Endlich! Endlich wieder einmal eine Wanderung, auf der die Regenklamotten entweder gleich zuhause im Schrank blieben oder umsonst mitgetragen wurden. Rolf macht es fast wie Roger Federer: nach ein paar Jährchen mit perfekten wolkenlosen Wanderungen, dauerte es ein paar Jahre mit Satzverlusten (1 Tag Regen, oder gar Ausscheiden in der ersten Runde – 2 Tage Regen….) bis unser SPECIAL-EVENTS Wettermaestro zurück im Spiel ist : Das Wetter ist und bleibt perfekt vom Anfang bis am Schluss der Tour.

Auf dem Berner Perron für den Zug nach Genf  treffen sich lauter alte Bekannte: Rolf und Ursula, Fritz (noch ohne seine bessere Hälfte), Sigi, Giovanna, Siuv und nachdem sie das Zentralschweizer Exil im letzten Herbst beendet hat, startet auch Isabelle wieder ab Züri West! Thomas reist aus „Zürich Echt“ an und Ändu und Regula stossen in Fribourg dazu, wo die ganze Truppe aufs Poschi umsteigt. Es starten also nach gut 45 Minuten Fahrt zehn Nasen ab Schwarzseebad, um am ersten Tag das niedliche Euschelspässli zu erklimmen! Zu erklimmen gibt es da eigentlich noch nicht viel: Es ist eine herrliche, unkomplizierte Wanderung mit schönen Aussichtspunkten auf den Schwarzsee und vom Pass aus auf die dramatischen Zacken der Gastlosen und die Sattelspitzen, die wir dann am zweiten Tag umrunden werden.

Da beschleicht mich leise ein ungutes Gefühl: Was zum Teufel soll ich in den Bericht schreiben, wenn alle da und alle pünktlich sind, niemand (nicht mal ich!) Proviant, Billet, Wanderschuhe, Stöcke, Rucksack oder sonst etwas vergessen hat, der Weg klar ist und das Wetter gut??? Das ist ja richtig langweilig!! Aber das Ass der Berichterstattung sollte dann schon noch kommen J!

Vorerst gibt es zu vermelden: Die Gastlosen sind definitiv keine Rastlosen, denn es gibt gute Gelegenheiten und Zeit genug für gemütliche Beizenstopps mit Aussicht und Geier- Gleitflug-Sichtungen (für zoologisch Interessierte: juvenile Gänsegeier auf Territoriums-suche). Als kulinarische Höhenflüge glänzen hervorragende Rhabarber- und Aprikosenkuchen, sowie Meringues Doppelrahm mit Glacé (ganz leicht, kaum Kalorien, gäll Ursi – im Gegensatz zu dem tonnenschweren winzigen Schoggichüechli mit echli Rahm am Abend…) und der eine oder andere Hektoliter Citro oder Bier.

Da im Tal unten Jaun schon in Sichtweite ist, nehmen wir es wirklich gemütlich, geniessen die Aussicht und das Futter, wie es sich für unser Mittelalter gehört und treffen auf die Minute punkt 16 Uhr im Hotel de la Cascade ein, wie von Rolf angekündigt. Kurz darauf trifft auch Theres mit dem Poschi ein und die Gruppe ist komplett. Auf der schönen Hotelterrasse vis-à-vis des namensgebenden Wasserfalls wartet  – für die einen schon wieder, für die anderen endlich – ein Panaché und für Isabelle erst einmal eine Dusche als erste Priorität (diese im Bad, nicht auf der Terrasse….)

Das frisch umgebaute Hotel punktet mit prächtigen Zimmern und aussergewöhnlich bequemen Betten, die teilweise als Nidletrog, Wanderschuh oder Schafweide getarnt sind… Man kann dort im Fall aber auch normale Zimmer buchen!

Sigi, Siuv, Giovanna und Isabelle machen noch eine kleine „Tour de Village“ zum Wasserfall und der wunderschönen alten Kirche die heute als Chorsaal genutzt wird. Leider hat gerade niemand gesungen, ausser dem Wasserfall! Er entspringt direkt dem Berg: Das rauschende, klare und eiskalte Wasser sorgt für eine ganz eigenes Mikroklima und eine besondere Atmosphäre um den Fall herum: eine herrliche Erfrischung und ein perfekter Abschluss der Tagestour. Nach ca. 700 Höhenmetern und alles in Allem etwa 4.5 Stunden Wanderzeit, Zwischenmahlzeiten und Picknick hin oder her: HUNGER!!! Punkt 19h sitzen wir alle erwartungsfroh im schönen Speisesaal und warten. Und warten. Und warten: Auf die Karte, auf das Bestellen, auf das Brot, auf den Salat, auf die Vorspeise, auf die Hauptspeise, auf den Wein, auf das Dessert, auf das Bezahlen – und warten und warten und warten. Giovanna erleidet fast ein hypoglykämisches Koma und kann in letzter Sekunde durch Brot und einen sehr schlanken Salat vom Buffet (Auswahl: 1 Sorte) gerettet werden.

In der halben Zeit, ohne Scherz, gewinnt unser aller Roger am nächsten Tag seinen 8. Wimbledonfinal!!

Nun ja – wir tragen es mit Fassung, auch weil der freundliche und höfliche junge Kellner definitiv nichts dafür kann, dass die Küche heillos überfordert ist! Die Schweinskotelett Fraktion muss der Küche nochmals tüchtig einheizen, damit das Fleisch dann auch gebraten wird und nicht als „Tartare am Stück“ auf dem Teller und im Magen liegen bleibt.

Die anderen essen besser, aber auch nicht wirklich schneller. Das Ganze ist wirklich skurril! Die Stimmung bleibt aber gut, dem guten Wetter, der gemütlichen Wanderpausen zuvor und den spannenden Themen sei Dank, die immer schräger werden – von topseriösen juristischen Erörterungen über die Verantwortlichkeiten bei der Lehrlingsausbildung im Kanton Bern, von der Definition von A- bis  Pansexualität, über den Gott der Hirten mit den Ziegenbeinen bis zu pointierten Wortspielen über die Gastlosen wurde ein wirklich breites Spektrum an Themen diskutiert und viel gelacht! Fazit von Tag 1: Gastlosen = Hastlosen ≠ Rastlosen aber im Gast-loswerden ist das Hotel Cascade Spitze!

TAG 2

Beim Frühstück ging das Schauspiel weiter. Same same but different: etwas abgemildert durch die Tatsache, dass zwei Mitglieder rechtzeitig im Speisesaal waren, um darauf aufmerksam zu machen, dass Zucker, Ghüderchübeli, Gabeln zu Fleisch und Käse und Löffeli beim Kafi fehlen und der anwesenden Mitarbeiterin zu erklären, wo bei der superteuren neuen Kafimaschine der Knopf für heisse Milch angebracht ist…. Aber nett waren sie da wirklich! Wir geben dem Hotel also eine zweite Chance, immerin ist der Sesselilift gratis!

Nach dem Einkauf bei Tante Emma vis-à-vis gehen wir Richtung Gastlosen Express, der uns ohne Müh‘ auf halbe Höhe bringen soll. Und hier verliert Rolf Federer den Aufschlag! Sprich den Weg und leitet uns kurz in die Irre: Statt direttissima zum Sesseli, steigen wir den halben Hang* herauf [*Redaktions-Hawk-Eye sagt: 550 zusätzliche Strecken- und 50 zusätzliche Höhenmeter rauf und runter]…  Aber Rolf findet die Talstation dann schliesslich doch noch dort, wo wir sie eigentlich vermutet hätten: im Talboden unten 😉 !

Ab Bergstation umrunden wir die Gastlosen im Gegenuhrzeigersinn. Ein weiser Entscheid, wie sich an der Schlüsselstelle bestätigen wird: dort steigen wir definitiv lieber rauf als runter!

Vorher gibt es aber noch ein wunderschönes Wasserloch beim blumengeschmückten Soldatenhaus, wo wir statt Armee herrliche Aussicht bis in den Jura und ins Mittelland geniessen, wunderbares Kafi mit frischem Rahm im Schoggichübeli (danke Giovanna!) und andere Flüssigkeiten ein- und ausleeren

Gottseidank ist der Hang, den wir danach zum Wolf erklimmen müssen, nicht an der prallen Sonne – das ist dann schon heftig für die untrainierten Bürogümmeler und die Hühneraugen- und Halluxfraktion! Unsere Eventleitung und die durchtrainierten Outdoorspezialisten lässt das bisschen Steigung und Schwitzen natürlich kalt! Aber alle erreichen den höchsten Punkt der Wanderung auf fast 2000m ü M und wir sinken eine halbe Stunde später auf der Gegenseite zur wohlverdienten Mittagsrast auf ein paar bequemen Felsblöcken nieder. Wir dürfen wirklich stolz auf uns sein!

Inzwischen sind wir aber definitiv nicht mehr alleine unterwegs, halb Fribourg wandert auf denselben Pfaden! Bei dieser Wetterprognose ist das ja kein Wunder. Leider zeigt sich dann auf den letzten Kilometern, dass wir keine Chance mehr haben, uns einen Schattenplatz bei der vorgesehenen Alpbeiz zu sichern: Pumpenvoll! Wir beschliessen, direkt zum Sessellift abzusteigen und uns dort noch eine Pause im Bärghus Musersbergli zu gönnen. Diese letzte ¾ Stunden haben es dann in sich: wirklich heiss, einige haben kein Wasser mehr, ein steiler Abstieg durch einen schönen Wald (immerhin Schatten!). Es war zum Schluss allen anzusehen, dass es nicht nur ein kleiner Spaziergang war, den wir hier unternommen haben! Noch einmal rund 900 Höhenmeter und ca. 4,5 Std Gehzeit schlagen am zweiten Tag zu Buche. Aber bei allen herrscht am Schluss der Tour grosse Zufriedenheit über die Leistung, das Superwetter und die wunderschöne Wanderroute!

Zurück in Jaun noch ein letzter Glacéstopp in der Käserei und ab ins Poschi nach Fribourg! Wer dort einen Platz auf der linken Seite nimmt ist übrigens selber schuld: wenn man sich noch keinen Sonnenstich auf der Wanderung geholt hat, gibt es sicher einen auf der stündigen Fahrt nach Fribourg! Aber mit Schirm, Charme und Melone (seien wir ehrlich: mit Schirmmütze, Schimpfen und die Melone war schon in der Mittagspause verputzt…) geht auch das vorbei und wir sitzen im Zug nach Bern: Danke Rolf und hör‘ ja nicht vor Federer auf, jetzt wo Du mit Petrus wieder voll im Spiel bist!

Isabelle, 18.07.17