17.+ 18.05.08 FLYING CYCLES

Flying Cycles – die „Wilde 13“ im Rennen gegen den Regen…

16-05-08, 6 Uhr morgens, Augen auf: regnet es oder regnet es nicht?

Noch nicht, doch das Wetter ist grau in grau und die Wetterprognose für den Sonntag ist ebenso grauenerregend… scheussliche Aussichten für die Velotour!! Und dann noch sooo früh aufstehen, ächz, stöhn, gääähn!

Jä nu – wer nicht wagt der nicht gewinnt! Und heimlich hoffen wir natürlich schon auf den speziell guten Draht unserer Special Events Organisatoren zu Petrus. Diesmal machen sie es einfach besonders spannend! Petrus wurde wohl milde gestimmt, durch die Tatsache, dass niemand wegen des Wetters schon vor der Tour das Weichei rausgehängt hat und alle angemeldeten Teilnehmer auch tatsächlich mit von der Partie sind: neben Ursula und Rolf, Andreas, Pia, Lie, Heidi, Isabelle, Sigi, Karin, Trix, Gere und die wichtigsten Personen, unser Jura bewährtes Chauffeur-Duo Fred und Jolanda.

Pünktlich trudeln die ersten Teilnehmer am Treffpunkt Wankdorf bei den beiden Europcarbüssli ein, am gemütlichsten kann es diesmal Sigi nehmen, er wohnt ja gleich um die Ecke… die einen kommen per Zug, die anderen per Velo und zeigen bereits entsprechende erste Ermüdungserscheinungen…. Ja, ja, die Autorin wiedermal am jammern! Ich fühle mich etwas mulmig angesichts der Herausforderung nach einem Jahr erstmals wieder das feurige Wildpferd „Scotty von Jaberg“ zu satteln – und das ohne Velotraining und nach einer Woche ernsthafter „Hals-Cheeri“ (= auf gut Berndeutsch „Äcke-Gstabi“) …

Wir sammeln auf der Fahrt Richtung Brünig noch Karin, Gere und Trix ein und damit ist die Truppe der „Wilden 13“ vollständig – auf geht’s Richtung Berge!

Gemütlich tuckern wir bergauf und erreichen unsere Startrampe, die Brünigpasshöhe auf 1008 m ü. M. Von da an geht es nun gemütlich runter bis an den Vierwaldstättersee, ohne einmal in die Pedalen treten zu müssen… Schön wär’s gsi eso! Zuerst holen wir uns vom Bremsen Blasen an den Händen und Muskelkater in den Armen! Es geht über eine landschaftlich prächtige, aber für Mountainbike Ungewohnte doch recht ruppige Naturstrasse hinunter zum Lungernsee (immer flach hinunter…) wo der Autorin erstmals die Puste ausgeht, da im hypoglycämischen Tief angelangt. Warum denn das? Weil ich ohne Frühstück gestartet war und die versprochene Kafipause zwecks Folterung der Teilnehmer ersatzlos gestrichen wurde! Der Proviant und das Wasser sind dummerweise im Büssli geblieben… Gottseidank füttern mich Sigi mit den bewährten Ananas-trocken-Stückli und Ursula mit Farmer Stengel (Sorte 12’123). Wassermangel gibt es um Ursula ja auch nie – sonst hätte ich noch den See austrinken müssen!

Das Wetter zeigt sich nun von der besseren Seite, wir geniessen Tenüwechsel und die Faserpelze verschwinden in den Rucksäcken. Mittagsrast halten wir am wunderschönen Wichelseeli zwischen Alpnach und Sarnen. Wir sind nicht die einzigen, aber Fred und Jolanda haben vorab heroisch zwei Tische für uns freigekämpft und die grillierende Grossfamilie nebenan nimmt es sportlich. Sie teilt den vorsorglich abgeholzten Wald mit Heidi, damit diese ihren Cervelat auch noch bräteln kann… Die Schwäne und Enten leben also alle noch, als wir satt und zufrieden den gastlichen Ort verlassen und uns wieder in die Sättel schwingen…

N.B. Für die Pommes Chips hatte in dieser Mittagspause Sigi gesorgt!

Auf den Fotos sehen irgendwie hier alle schon etwas müde aus?? Vom Durabfahren?? Tjaaa, es geht flach weiter wie es begonnen hat, einfach auf die andere Seite flach…. Im Ernst: als es wirklich und wahrhaftig flach wird, nämlich an den Gestaden des Vierwaldstättersees, kommt ein garstiger, kalter Gegenwind auf, und ein sehnliches Verlangen nach HEISSEM KAFI!

Dieser muss aber noch hart erarbeitet werden: das Restaurant ist zwar in Sichtweite, aber eben nur Luftlinie quer über den See und bis dahin ist noch ein weiter Weg für die strapazierten Gesässe und Muskeln…

Der Chrampf hat sich jedoch gelohnt und die Kalorien werden schamlos geschaufelt, als wir endlich angelangt sind! Die vollen Bäuche gelten einigen Weicheiern (Isabelle, Trix, Heidi und Pia) als Ausrede, um die letzten 10km von Horw über Kastanienbaum nach Luzern bequem im Büssli zurückzulegen… Wir finden, dass sich die vielen prächtigen oder auch nur teuren Villen aus dem Wagen viel stilvoller betrachten lassen!

Der vermeintliche Vorsprung der Busfahrer löst sich in Luft auf, als wir uns alle im COOP wiedertreffen, wo wir uns optimistisch die Einkäufe für den Sonntag besorgen. An dieser Stelle beginnt das Drama! Einige werden den Sonntag nicht überleben! (Einkäufe, nicht Einkäufer, wohlgemerkt).

In Luzern angekommen checken wir alle gleichzeitig im Alpha ein und stürmen die Duschen. Die Zimmer sind zweckmässig und sauber und es hat sogar Notausgänge… Im Fall von Feuer rät Ursula zum Fenster herauszuspringen – Trix, Karin und ich sind im vierten Stock untergebracht und diesen Sprung hat nicht mal das Gemüse überlebt….

Nun beginnt der gemütliche Teil für die Velofahrer: direkt vor das IMAX Kino chauffiert werden, während die Fahrer dann noch kilometerweit weg einen Parkplatz suchen müssen… Wir sehen einen Film, der vorwiegend von Eis, Schnee und Ausländern handelt und uns im Grossen und Ganzen weismacht, wir Schweizer seien alle Weicheier, weil wir uns nur flach bewegen und nicht auf den Eiger steigen, wo wir ihn doch quasi vor der Haustüre hätten!

Nein, sorry, das ist jetzt zuuu gemein, gäll!! Der Film war wirklich eindrücklich, das IMAX ist ein ganz besonderes Kinoerlebnis und die Führung hinter die Kulissen zeigte uns ein bisschen von der aufwendigen Technik, die dahinter steckt. Da ich zu diesem Zeitpunkt meinen Kopf kaum mehr selber tragen konnte, habe ich zugegebenermassen nicht alles mitbekommen bei dem Vortrag – den Film konnte ich dann aber von den Rollstuhlsitzen in der hintersten Reihe aus 100% geniessen – mit schööön angelehntem Kopf!

Was kommt noch nach dem Kino?? Erraten! Der strömende Regen!!!!

Und natürlich das superfeine, supersexy italienische Essen im Modomio.

Wir haben inzwischen alle einen Bärenhunger – die köstlichen Speisen auf der Karte bringen einen zum Verzweifeln, es ist so schwierig sich zu entscheiden… Als wir alle genug Prosecco, Pasta, Pizza, Pomodori und Pane getafelt haben und eigentlich nur noch bezahlen wollen, gibt es noch ein Gratis-Bettmümpfeli: es kommen die Chippendales im Endstadium auf die Teller der Damen!!! Und wie benenne ich jetzt die Desserts für die Herren?? Double Silicone en gelée à l’arome de Vanille…

Der Geniesser erinnert sich und schweigt und jemand hat es ja sicher auch fotografiert! Auf jeden Fall hat der Beizer bei uns gepunktet und die Lacher auf seiner Seite! Für ein seriöses Geschäftsessen oder ein erstes Date vielleicht etwas weniger geeignet, oder?

Sonntag, 17. Mai 08, 7.30h

Der Tag beginnt mit einem gellenden Schrei… Das Mittagessen stürzt über die Eigernordwand und zerschellt im Balkon 2. Stock, das Blut ergiesst sich in Form von Cocktail Sauce über den weissen Stuhl und das Ganze sieht aus dem 4. Stock eher Wääääh aus! Immerhin überleben mit argen Prellungen ein Sandwich und ein Tupperware von Trix…. Tja, Karin hat vergessen, das uns der Fensterladen über Nacht auch als Kühlschranktüre diente!

Aber etwas später wird es deutlich freundlicher und gemütlicher: ein wunderbares Frühstücksbuffet erwartet uns, und das Geburtstagskind Jolanda, bekommt einen Extra-Kuchen mit Kerzli und ein Happy Birthday im Chor zum Zmorge serviert. Einzig Andreas und Pia stimmen nicht mit ein, ob das noch die Folgen vom Dessert gestern Abend sind?

Die Organisatorin entscheidet trotz einigen drohenden Regentropfen unmissverständlich: wir fahren Velo, nicht Bus! Pünktlich setzen wir uns wieder auf die Sättel und zumindest diejenigen, welche nicht so viel Velo fahren auch seeeehr vorsichtig; wir spüren nun schmerzlich, wo die Beckenknochen sonst auch noch so durchgehen…

Petrus belohnt den weisen Entscheid bald mit einigen fast sommerlichen Sonnenstrahlen. Die Fahrt geht quer durch Luzern, dem Rhein entlang (oder war es die Rhône?) quer über den Flugplatz Emmen und dann immer flach bergauf, bis wir schweissgebadet zuoberst angelangt sind… Einige Weicheier nehmen zwar diese kleine Flachung im Bus, aber bei der rasanten Talfahrt ist die „Wilde 13“ wieder gemeinsam in Fahrt! Trotz der Sonnenstrahlen kühlt einen der Gegenwind ganz schön ab, erneute ist deshalb Tenüwechsel angesagt.

Wir pedalen auf einem perfekten Veloweg dem idyllischen Sempachersee entlang, machen einen winzigen Zwischenhalt im Bahnhof Nottwil, wo es ein karibisch angehauchtes Surfer-Hüttendorf mit WC gibt (und einen sympathischen und hübschen Beizer der Paprikachips verkauft…) und fahren noch bis zum Ende des Sees, wo die Mittagsrast eingelegt wird. Das wechselhafte Wetter hat die meisten Sonntagsspaziergänger abgeschreckt, wir haben eine grosse Wiese praktisch für uns alleine und sogar das kurze Mittagsgewitter zieht knapp 200m an uns vorbei – Petrus gibt sich wirklich alle Mühe mit Special Events!

N.B. Pommes Chips for free by Ursula and Rolf, applaus applaus!!

Die Schlussetappe führt vorwiegend auf guter Naturstrasse der Suhre entlang durch schönes Landwirtschaftsland, eine perfekte Veloroute und diesmal wirklich und wahrhaftig flach! Das einzige was fehlt ist wiederum der Kafi aber diesmal müssen wir Wohl oder Übel darauf verzichten: das Wetter wird windig und schlägt definitiv Richtung schwarz und bedrohlich um. Wir fahren gegen 15 Uhr neben den entnervten Chauffeuren ein, die in Oberentfelden gerade Bekanntschaft mit der leider manchmal auch typischen schweizerischen Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft gemacht haben: a) kein Kafi, b) kein Zugbillet = kein WC- Schlüssel; wo simmer dänn da glandet!! Wir haben gerade noch Zeit für das Schlussföteli, ein paar staubtrockene Kalorien in Form von Vogelnästli und Spitzbuebe, verladen unsere Velos und schon sind wir mitten in einem richtigen Wolkenbruch! Auf der Autobahn schwimmen wir ungerührt der Wasserfluten Richtung Bern – was für ein Timing! Petrus ist bestimmt klammheimlich Passiv-Mitglied bei Special-Events…

Müde und zufrieden gondeln wir zurück; nur für die Heimfahrt vom Wankdorf ins Kirchenfeld brauche ich noch die mitgebrachten Regenklamotten, – das hätte ich am Samstagmorgen wirklich nicht erwartet!

Zuhause wird erst Scotty abgesattelt, dann ich falle ins wohlverdiente heisse Bad – danke für diese wirklich tolle Velotour mit einer superschönen Routenwahl und perfekter Planung, es wäre wirklich schade gewesen, wenn sie ins Wasser gefallen wäre ? ? ? !

Isabelle Not