30.06.07 VIVE LE CIRQUE NATIONAL

Samstag, 30. Juni 07 – 04.00 Uhr – ein aufdringliches piepsen holt mich aus dem Reich der Träume. Hmpf – das Aufstehen fiel auch schon leichter… Aber schon die kurze Wanderung durch den wunderschönen Morgen zum abgemachten Treffpunkt versöhnt mich wieder mit meinem Schicksal. Alfred (Chauffeur) und Jolanda holen mich mit dem Bus (16- Plätzer von „Eicher-Lyss“) in Steffisburg ab.

In Jaberg laden wir nebst den Event-Verantwortlichen Rolf und Ursula auch Verpflegung für die hungrige Meute in früher Stunde ein. Der nächste Stopp ist in Münsingen geplant – aber erstens kommt es anders…. – kurz nach der Jabergbrücke wird es einem Thermoskrug (Inhalt: 2.6 l heisses Wasser für den Morgenkaffee) hinten im Bus hörbar schlecht – er kippt um und verabschiedet sich mit einem finalen Glasbruch ins Thermoskrugnirvana. Kurz darauf solidarisiert sich der zweite Krug mit seinem Gspändli. Eigentlich wären die 5.2 l heisses Wasser nicht für die Busreinigung gedacht gewesen… kurze Hektik bricht aus (Töffhelme vor der Überschwemmung retten). Wenigstens sind jetzt alle endgültig wach.

Weiterfahrt nach Münsingen, dort steigen Giovanna und Christian zu, dann zum Kreisel beim Campagna wo Beatrix, Marcel und Florian uns erwarten. Im Wankdorf steht Ruedi an der Bushaltestelle (fahren denn jetzt schon Busse???) – Sigi befindet sich noch im Endspurt und erwischt unseren Bus auch noch. Mit nun fast vollbesetztem Fahrzeug rollen wir durch den frühen Morgen Richtung Emmental-City.

In Burgdorf wartet die erste wirklich grosse Herausforderung auf unseren Chauffeur: wenden auf einem kleinen Parkplatz, von einem Auto behindert, das partout auch auf diesen Platz will – und das so früh am Morgen…ach so, das ist ja Lie, die uns mit ihrem Auto dicht auf den Fersen ist. Auf dem Parklatz bei der Schützenmatte stossen schliesslich auch Karin, Andreas, Marianne und Aurora zu uns.

Die Sitze dieser neuen Busse sind soooo bequem – da kann Rolf auf dem Platz vor dem Bus noch so interessante Details zum Thema KNIE erzählen – wir lassen uns erst nach mehrmaliger Aufforderung seinerseits zum Verlassen unserer Plätze bewegen… und werden mit einer Mischung aus Campingplatz und Sportplatzambiente belohnt – Morgenstimmung über der Schützenmatte. Wohnwagen stehen auf dem Parkplatz nebenan (einer sogar mit Geranien) und der Emme entlang. Stille. Mitten auf dem sattgrünen Rasenplatz träumt ein einsames Häufchen Sägemehl dem Tag entgegen – und genau auf diese Holzspäne weist Rolf hin, denn sie sind das Zentrum der nächsten zwei Tage: der Mittelpunkt der Manege. Überhaupt scheint alles genau durchdacht zu sein: weitere Sägemehltupfer und farbige Linien ziehen sich über den Rasen. Ob die Wohnwagenbewohner uns Zaungäste so früh am Morgen mögen? Nur Geduld, ihr Schläfer in euren weissen Blechbüchsen – wir verlassen die Schützenmatte sofort wieder und fahren zum Güterbahnhof Burgdorf.

Vor dem Eintreffen des KNIE-Güterzuges stärken wir uns mit Züpfe, Eistee und Schoggidrink (nö, kein Kaffee verfügbar…). Ursula geht sondieren, ob der Zug schon da ist. Aber noch gibt es nichts zu sehen. Trotzdem wagt nun die ganze Gruppe den Weg zu den Gleisen. Und tatsächlich rollt er an, der Zug. Wagen um Wagen schiebt sich langsam vorbei, beladen mit weissen Zirkuswagen, Traktoren, Hubstaplern und dem grossen Zirkuszelt. Auch hier wird nichts dem Zufall überlassen: die wichtigsten Wagen können als erste abgeladen werden (und das ist das Material für das Zelt, wie uns Rolf erklärt). Zuerst aber geschieht nicht wirklich viel.

Dann werden doch die ersten Traktore abgeladen. Ein roter KNIE-Bus bringt – jawohl – Kaffee. Die Arbeiter in den orangen Warnwesten schlürfen ihren Morgenkaffee und beobachten uns, während wir die Arbeiter in ihren orangen Warnwesten beobachten und uns etwas mehr Action wünschen. Endlich kommt Bewegung in die Szene: die Traktore holen die Wagen ab den Güterwagen, führen sie zur Strasse, wo sie von Lastwagen zur Schützenmatte gefahren werden. Nach dem vierten abgeladenen Wagen haben wir das System hinreichend begriffen und verschieben ebenfalls zur Schützenmatte.

Die Morgenstille ist Geschichte – kreuz und quer gurken rote Traktore und Hubstapler über die Wiese, stellen die Materialwagen punktgenau an die vorgesehenen Plätze. Der Ameisenhaufen ist gut organisiert und wird statt durch Zurufen ganz einfach durch Trillerpfeifen dirigiert. Ein Lastwagen lädt Erde für die Manege ab –das Sägemehl wird später folgen. Wir wandern um den Platz um das Geschehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beaugapfeln zu können. Die Erdnägel für die Abspannseile des Hauptzeltes werden mit Pressluft eingehämmert, aus dem Kamin des Verpflegungswagens steigt Dampf auf.

Weiter hinten stellen die KNIE-Arbeiter das Pferdezelt auf, anschliessend das Elefantenzelt. Lamas springen aus dem Reisewagen. Das lassen wir uns nicht entgehen, das sehen wir uns näher an – und ab geht es quer durch die entstehende Zirkusstadt. Dabei gilt: Vorsicht beim über den Rasen laufen – nicht wegen dem Rasen, sondern wegen den Rasern – es grenzt fast an ein Wunder, dass niemand von einem Traktor angefahren wird, denn die haben nur ihre Arbeit im Blick. Weitere Zirkuswagen werden unablässig hergefahren und parkiert.

Die Landi Burgdorf liefert Stroh und Heu, ein kleiner Traktor aus den Emmentaler Högern tuckert mit einem Ladewagen voll frischem Gras auf den Platz. Ein allgemeines Raunen geht durch die Zaungäste: aus dem grossen Lastwagen, der eben auf den Rasen abbiegt dringen eigenartige Töne, ein grauer Rüssel fingert aus dem kleinen vergitterten Fenster. Kein Zweifel: die Elefanten sind da.

Drüben beim Hauptzelt werden mit motorisierten Seilwinden die grossen Masten aufgestellt, während die grauen Riesen aus dem Lastwagen steigen. Ihre Wärter führen sie ins Elefantenzelt. Dort steht Wasser als Erfrischung für sie bereit. Mit trompeten und tiefem grollen teilen sie den Umstehenden mit, dass jetzt Zeit für das Frühstück wäre. Diese Meinung teilt Rolf voll und ganz: auch auf uns wartet ein Frühstück. Bloss wie bringt man eine faszinierte Elefanten-guck-Gruppe an den Frühstückstisch? Der Hunger ist zwar vorhanden, doch es läuft fast zu viel, um den Platz jetzt zu verlassen…

Schliesslich schaffen es doch alle ans Frühstückbuffet im Schützenhaus Burgdorf. Herr Rauber und seine Crew haben Käse, Züpfe, Gipfeli, Fleisch, Fruchtsalat…u.s.w. für uns bereitgestellt (sogar Orangensaft ist in ausreichender Menge vorhanden…). Trotzdem hält es einige nur kurze Zeit am Tisch – zu interessant ist das Geschehen drüben beim KNIE.

Und geschehen ist während dem Frühstück einiges: Zebras und Kamele sind da, Zwergziegen und Hängebauchschweine tollen herum, der Zaun um das Gelände weist immer weniger Schlupflöcher auf, das Hauptzelt wächst in die Höhe. Das traditionelle Gruppenfoto wird vor dem Hauptzelt geknipst, das mittlerweile bis zur Hälfte aufgestellt ist (das Zelt, nicht das Gruppenfoto). Die Sonne steigt höher, es wird spürbar wärmer. Das Hauptzelt steht mittlerweile in voller Grösse, die Inneneinrichtung wird aufgebaut. Ponys und Esel werden in ihre kleinen Boxen geführt. Wir verlassen den Platz, verabschieden beim Auto die Einzelfahrer und reisen im Bus zurück ins zwar auch sonnige aber KNIElose Oberland.

Ein grosser Dank an die Organisatoren dieser Unternehmung!!! Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt!!!

Gere der Schreiber