16.+ 17.09.06 OBE USE!

cml. Läck duet das guet! Endlich ein warmes Bad. Das habe ich [Madame Cornelia Karin Moser, kurz CKM gWaR; Anm. und Dank der Redaktion] mir aber auch verdient, bei dem Regenwetter. Ob wohl Karin auch immer noch in der Badewanne hockt? Hoffentlich schlafe ich nicht ein – müde bin ich nämlich ziemlich, nach dieser doch eher kurzen Nacht. Nach dem Bad muss ich unbedingt den Rucksack auspacken und die nassen Sachen zum Trocknen aufhängen. Es war ein schönes Wochenende. Meine Gedanken schweifen zurück nach gestern, als alles begann.

Samstag, 16. September 2006

Treffpunkt um 08.00 Uhr am Bahnhof Bern. Es ist fünf vor acht, als ich mich zur SPEV-Wandergruppe geselle. Scheinbar hat uns der Eventmanager Rolf nicht gesehen, jedenfalls schaut er verdutzt, als er feststellt, dass wir bereits einige Meter neben ihm warten. Auf Gleis 4 fährt unser Zug Richtung Interlaken. Cool, ein 1. Klasse-Wagen, der als 2. Klasse umfunktioniert wurde (Kommentar dazu siehe Bericht zur Alpenolympiade). So wie es scheint, ist die halbe Schweiz am Wandern übers Betttag-Wochenende. Wir fahren in Thun ein und in meinem Blickwinkel nehme ich eine Blondine auf dem Bahnsteig wahr. Aber das kann nicht Ursula sein, denn sie weiss ja, dass wir vor dem zweiten Triebwagen (oder doch Lok?) sitzen. Gere steigt zu uns ein. Und wo bleiben die drei anderen? Viel Zeit zum Suchen bleibt nicht. Die SBB fährt pünktlich wieder ab. Das Natel von Rolf klingelt. Aha – die drei (Ursula, Christian und Karin) sind einige Wagen weiter hinten eingestiegen und werden durch die Lok (oder eben den Triebwagen) von uns getrennt. In Spiez haben sie die erste kleine Wanderung bereits hinter sich – gefolgt von der Feuerwehr Münsingen welche das genau gleiche Einsteigeproblem hatte. Dann kann ja nichts mehr schief gehen – jedenfalls sind wir jetzt komplett.

Umsteigen in Interlaken Ost, aussteigen in Meiringen. Zur Sicherheit checken einige bereits heute ab, ob die Bäckerei morgen Sonntag geöffnet hat. Sie hat! Weiter geht der kleine Fussmarsch zur Talstation der MHB. Karin und ich stellen einen Rekord im Schnellpinkeln auf (5 Min. bis zur Abfahrt langen locker). In Hasliberg-Reuti steigen wir um. Isabelle, Lie, Rolf und ich wagen uns in dieselbe Gondel. Mittlerweile ist es gegen 11.00 Uhr. Ob ihr es glaubt oder nicht: Lie und Rolf sind in der Telefonkabine gelandet! Zuerst klingelt mein Natel, kurz darauf dasjenige von Isabelle. Während ich vor lauter Lachen das Gespräch vorzeitig beenden muss, lässt sich Isabelle durch Rolfs und Lies Lästereien nicht aus der Ruhe bringen.

Kaffeehalt auf der Mägisalp. In 3-4 Minuten seien die Gipfeli parat, versichert die Servicemitarbeiterin. Ich überlege nicht lange und bestelle mir ein Stück Apfelkuchen (die Anschrift hat mich nämlich bereits beim Aussteigen aus der Telefongondel „gluschtig“ gemacht). Meine Zeitkalkulation geht nicht auf – die Gipfeli sind früher parat als mein Apfelkuchen. Trotzdem geniesse ich ihn Stück für Stück. Danach nehmen wir den letzten Abschnitt mit der Sesselbahn auf uns hinauf zum Alpentower (Planplatten). Ein frischer Wind erwartet uns – aber das Wetter ist genial. Sonnenschein pur – wie es sich für einen Rolf-Peter-Event gehört.

Das Wandern beginnt

Die Windjacken sind montiert, die Stöcke auf die richtige Länge geschraubt. Es geht los! Dem Horizontweg entlang wandern wir, stets begleitet von einem frischen Windstoss, in Richtung Tannalp. Ich muss zugeben, es ist wirklich flach – ausser der Aufstieg zum Balmeregghorn. Der ist aus meiner Sicht doch fast senkrecht. Aber auch ich schaffe es noch. Beim Kreuz auf dem Gipfel gibt es einen kurzen Halt. Ich montiere präventiv ein Compeed Pflaster (danke, Heidi). Weiter geht es. Das lange Warten auf das Mittagessen wird durch einen grandiosen Blick auf den Tannensee entschädigt. Einige packen sogar die Cervelat oder den Landjäger aus zum „Bräteln“. Alles könnte so schön und gemütlich sein, wenn da die Papparazzi – eh, Pappasigi nicht wären! Es werden einige Fotos gemacht. Böse Zungen behaupten ja, meine Frisur sei explodiert. Zu dem Zeitpunkt kann ich diese Argumente nicht nachvollziehen.

Nach einer Weile verabschiedet sich die Hardcoregruppe von uns Weicheiern. Lie, Heidi, Karin, Ursula, Sigi und ich haben uns nämlich für die Softerotik-Variante entschieden. Doch weshalb hetzen? Wir entscheiden uns für einen Kaffehalt im Restaurant auf der Tannalp. Und da passiert es: Dummerweise muss ich für kleine Mädchen und werfe einen Blick in den Spiegel auf der Damentoilette. Spätestens jetzt ist das halbe Restaurant wach – auf der Terrasse geht das Gelächter los! Und schlagartig wird mir bewusst, was Karin vorhin meinte, als sie sagte: „Du gsehsch es ja säuber nid.“ Was soll ich machen? Plan B: Haare anfeuchten und versuchen zu glätten. Ursula kommt auch aufs WC. Das gehe nicht, meint sie. Ich werde ja krank. Da hat sie auch wieder Recht. Eine Mütze muss her. Blöd nur, dass ich gerade jetzt keine dabei habe. Also binde ich kurzerhand mein Foulard zu einem Turban. Gut, so kann es gehen. Zurück auf der Terrasse werde ich wieder ausgelacht. Nun gut. Aber immerhin krank sollte ich so nicht werden. Ich stelle meine Prix-Garantie-Schöggeli auf, Pappasigi macht ein Foto. Wir grinsen freundlich in die Kamera. Plötzlich meint Heidi, wo ich denn nun meine Sonnenbrille habe…. Und nun sind wir alle nicht mehr zu halten vor Lachen. Selbst mir ist jetzt klar, dass ich die Sonnenbrille im Turban eingewickelt habe! So etwas kann auch nur mir passieren…

Etwas später machen wir uns gemütlich auf in Richtung Distelboden. Langsam aber sicher nähert sich der Nebel. Trotzdem: Bei uns ist der Blick immer so weit frei, dass wir sämtliche Fischer (mit einer oder mehreren Fischruten) näher betrachten können. Wir führen ernsthafte Diskussionen über die Zugverbindungen zwischen Thun und Bern. Schade eigentlich, dass Karin nie via Ostermundigen fährt! Ab und zu werfen wir einen Blick den Berg entlang hoch, ob wir die Hardcoregruppe mit Rolf, Andreas, Regina, Chrigu, Gere und Isabelle sehen. Wie wir später erfahren, sind sie alle voll auf ihre Kosten gekommen: Feine, ofenfrische Nussrollen und eine grandiose Aussicht. Auf dem Distelboden erfülle ich meinen Auftrag, Ruedi und Helene (Wirtepaar) einen Gruss von meiner Kollegin auszurichten. Da kommt uns auch schon Giovanna entgegen. Sie hat eine lange Anreise hinter sich. Wir beschliessen, erst mal wieder einen Kaffeehalt einzulegen und später eventuell noch um den Melchsee zu wandern. Dazu kommt es aber nicht mehr. Die Hardcoregruppe hat uns eingeholt und stösst zu uns. Da die Zeit auch schon fortgeschritten ist und der Nebel langsam näher kommt, beschliessen wir, die Zimmer zu beziehen.

Das Leben „auf der Hüttn“

Eine neue, heimelige Holzunterkunft wartet auf uns. Zimmer 1, 2 und 3 stehen zur Verfügung. Karin und ich schnappen uns die 1. Zu uns gesellen sich auch noch Lie und Heidi. Im Zimmer 2 schlafen Isabelle, Giovanna, Christian und Sigi. Zimmer 3 ist von Gere, Rolf, Ursula, Andreas und Regina belegt. Nachdem ich zwei Schmerztabletten genommen habe (danke Lie), lege ich mich erst ein bisschen hin. Kurz vor dem Abendessen raffe ich mich auf für eine Dusche. Wie kommt jetzt das? Plötzlich hat sie die Brause nebenan selbständig gemacht und spritzt kaltes Wasser auf meinen Kopf und Körper. Ich flehe um warmes Wasser. Doch es nützt nichts, die Brause scheint mich nicht zu verstehen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich mit meiner Brause zur Wehr zu setzen… So ein Mist! Jetzt muss ich auch noch Haare waschen… Ich höre die Kommentare schon, wenn ich bereits zum zweiten Mal an diesem Tag mit Turban einmarschiere. Aber es muss sein.

Ein feines, aber sehr reichhaltiges Abendessen wartet auf uns: Broccolisuppe, Schweinspiccata, Fenchel und Tomatenspaghetti. Zum Dessert gibt es Vanillepudding mit Caramel-Marroni. Karin und ich gönnen uns daraufhin einen Grappa.

Etwa um 21.30 Uhr beschliessen Lie, Heidi, Karin, Sigi und ich, den Abend mit ein paar Runden Karrierepoker (und „Alphornblasen“) ausklingen zu lassen. Die restlichen SPEV-ler gehen zu Bett. Um 23.30 Uhr ist auch für uns Pokerfreunde langsam aber sicher Nachtruhe angesagt. Ein letzter Sternentanz zu Musik von DRS1 (die spielen nicht nur Ländlermusik) und ab geht’s in den Schlafsack. Mitten in der Nacht „schlage“ ich Lie. Auf mein Bitten, doch jetzt endlich mit Schnarchen aufzuhören meint sie nur cool: Ich schlafe ja noch überhaupt nicht! Karin, Lie und ich brechen in Gelächter aus. Also steht fest, wer schnarcht: Es ist Heidi (und die merkt nicht einmal, dass wir so laut lachen!). Irgendwann schaffen wir es doch noch, einige wenige Stunden Schlaf zu finden.

Sonntag, 17. September 2006

Pünktlich um 08.15 Uhr werden wir wie vereinbart durch den Weckdienst geweckt. Sigi hat sich dieser Aufgabe angenommen. Karin und ich kriechen nur ungern aus unseren Schlafsäcken, besonders jetzt, als wir endlich etwas schlafen könnten…

Beim Zmorge werden so einige Storys ausgetauscht. Die Schnarchler werden – sofern nicht wie bei uns bereits bekannt – ausfindig gemacht. Doch was ging diese Nacht in Zimmer 10 ab? Diese Frage wird wohl für immer unbeantwortet bleiben. Ich kann nur feststellen, dass Karin auffällig oft aufs WC musste…

Nach dem Zmorge schnappen wir die vorbereiteten Lunchsäcke. Tomaten und Eier finden nicht sehr grossen Anklang. Ein Blick hinaus bestätigt, dass der Wetterbericht Recht hatte. Es regnet in Strömen. Möglichst wetterfest eingepackt machen wir uns um 10.00 Uhr auf den Weg in Richtung Engstlenalp. Vorbei am Tannensee (wo sind bloss die flotten Fischer heute?) wörtlich über Stock und Stein geht der Weg. Zum Glück haben wir unsere Stöcke dabei! Etwa bei Kilometer 13 finde ich auch endlich heraus, weshalb ich fast kopfüber hangabwärts gehen muss: Einer meiner Stöcke ist bedeutend kürzer als der andere. Sofort behebe ich das Problem und – oh Wunder – ab hier geht es doch wirklich etwas besser! Und Lie lacht mich noch Minuten später aus.

Der Nebel hält sich im Gental still und so können wir trotz Regen die Aussicht geniessen. Besonders die Wasserfälle sind einfach fantastisch! Auf der Engstlenalp angekommen, haben wir noch genügend Zeit, um uns wieder trocken anzuziehen und etwas Warmes zu trinken. Pünktlich um 12.50 Uhr fährt uns der Postautochauffeur nach Meiringen. So wie es scheint, haben wir die Tourismusroute erwischt. Der Chauffeur erklärt uns fachkundig, was wir alles rechts und links der Strasse erkennen können. Sogar die „Murmeli“ hat er extra für uns bestellt!

In Meiringen bleibt genügend Zeit, um sämtliche Bäckereien abzuklappern. Während bei Frutigers im Tea-Room Lüthi die „Tatzelwürmer“ der Verkaufsschlager sind, sind es bei Brunners die „Mini-Haslikuchen“. Dazu kann ich nur sagen, dass bei Frutigers die „Tatzelwürmern“ nach unserem Besuch aufgefüllt werden mussten!

Im Zug nach Interlaken gönnen wir uns den Lunch aus dem „Säckli“ oder der Tupperdose (nid lache, Chrigu!) und machen uns über die Köstlichkeiten aus den Bäckereien her. Bereits werden Pläne geschmiedet, um einmal einen Sonntag im Tea-Room Lüthi in Meiringen zu verbringen und sämtliche Köstlichkeiten zu probieren.

Ja, auch eine schöne Reise geht einmal zu Ende. In Thun verlassen uns bereits die ersten. Und dann gibt es noch ein paar Wagemutige, die – zum Teil sogar ohne GA! – bis Bern durchfahren.

Mein Badewasser ist kalt geworden. Es wird Zeit zum „aussteigen“. Der Rucksack mit den nassen Sachen wartet. Danke ans Organisationsteam und den Eventmanager Rolf, für diesen bestimmt unvergesslichen Event. Und gelernt haben wir an diesem Wochenende auch einiges! Zum Beispiel: Jeans können imprägniert werden, Landjäger kann man grillieren, „D’Wält wär voll Blueme“ ist ein Lied von Peter, Sue & Marc und, dass es zwischen Thun und Bern manchmal kein Halten gibt…