02.04.05 GOOD OLD TIMES

RPJ. Der Weg zurück in die gute, alte Zeit erwies sich als sehr vielfältig aber auch kombinierbar. Das „geheime“ Bunkerobjekt sollte also in Faulensee liegen. Ob’s wohl daran lag, dass für die ÖV-Anreisenden eine Zugsanfahrt via Interlaken drohte… Rolf’s „Kombinationsdenken“ und der Bereitschaft der Privatautobenutzer war es zu verdanken, dass es dann nicht gar so grosse Umwege brauchte. Die ÖV-Anreisenden wurden also von den Autofahrern gleich in Spiez am Bahnhof abgeholt und nach Faulensee chauffiert.

Bunker? Wo denn? Auf den ersten Blick deutete lediglich ein kleiner gelber Wegweiser in Richtung der bis vor gut 10 Jahren hochgeheimen Anlage, welche dank der Entspannung zwischen Ost und West nun besichtigt werden kann. Die aus 4 Geschützstellungen bestehende Anlage ist noch heute nur auf den zweiten Blick zu erkennen. Dies, obwohl ein Teil des Tarnmaterials heute nicht mehr vor den als Bauernhäuser und Scheunen getarnten Gebäuden aufgestellt ist.

Nach einer kurzen Information durch unseren sehr kompetenten Führer Peter Rösch über Wirkungsräume (tönt gut, nicht) der Anlage gings hinein in die doch eher kühle Welt aus Stahl und Beton. Nachdem sich die Türe hinter uns geschlossen hatte, erhielten wir detailliert und eindrücklich die Kanone erläutert. Geschoss rein, Hülse mit Ladung hintennach, Verschluss zu (geht auch, wenn ein Finger drin ist), auf Kommando „abziehen“, Hülse in Empfang nehmen, Rohr ausblasen (automatisch) und Hülse zum Pulverdampfabsaugen auf den Entlüfter stülpen, Geschoss rein… usw. und das ganze bis zu 6 mal pro Minute! Je nach Ladung, Elevation und Azimut wäre dann also von hier aus irgend ein Ziel zwischen Spiez und Wichtrach mit einem Splitterregen eingedeckt worden. Doch woher hätten die strammen Mannen am Geschütz auch wissen sollen, wo was einstellen?

Nun, diese Frage wurde sogleich geklärt. Nach einem engen Abstieg über eine Leiter (war der Lift defekt???) erhielten wir ca. 8 Meter unter der Erde einen Blick in die Feuerleitstelle, welche den 4 Geschützen die nötigen Daten hätte liefern sollen. Einzelne „Feuer“ waren bereits standardmässig berechnet, so zB. Industriegebiet in Uetendorf und Rothache-Brücke in Oppligen, andere hätten jederzeit berechnet werden können. Nach der Feuerleitstelle durften wir wieder 4 Meter höher einen Blick in die Küche werfen, in der für die 4 unterirdischen Bunker die Mahlzeiten zubereitet worden wären. Sie liegt nicht wirklich sehr zentral, die Küche… aber offenbar ist es einfacher, die Konservendosen dorthin zu Transportieren als Geschosse oder Pulver… Die Männer der Küchenmannschaft waren die einzigen, für die Tische und Stühle für’s Essen vorgesehen waren…

So: Nun gings wieder die Leiter hinab und entlang dem unterirdischen Gang gings zu einer nächsten Geschützstellung. Hier durften wir unter anderem einen Blick in das ausgediente Munitionsdepot werfen. Eindrücklich, was hier bis vor wenigen Jahren lagerte… So nebenbei… langsam kroch die Kälte (9-11 Grad) so in Richtung innerer Teil der Faserpelze, dies aber natürlich nur bei jenen Besuchern, welche einen Faserpelz über dem Hemd trugen…

Im nächsten Geschützhaus dann die ultimative Schlafstellenberechnung… 28 Schlafplätze für 84 Mann? Völlig ausreichend, schliesslich wurde die Anlage ja für den Krieg gebaut und nicht als Ferienresidenz… Zusätzlich noch ein paar Infos zum Unterhalt der Geschütze und der Hinweis, dass das Schild „Nicht an der Kurbel drehen“ durchaus seinen Sinn haben kann. Es sei denn, man sei erpicht darauf, den 800 kg schweren beweglichen Teil der Kanone auf dem eigenen Füsschen oder Brustkorb zu parkieren!

Zur allgemeinen Belustigung brachten zwei SPECIAL-EVENTS-Besucher noch mit zwei, drei „eindeutigen“ Richtübungen bei der letzten Kanone die unbekannten, vor dem Lauf ziemlich überrascht glotzenden Passanten ausserhalb der Anlage in fluchtartige Bewegungen.

Zum Abschluss konnten wir noch in die „Bastelwerkstatt“ schauen, in welcher die Druiden oder Alchemisten die Hülsen wieder mit frischem Pulver befüllen und eine neue Zündschraube einsetzen konnten. Gespannt warteten nun alle noch nicht Erfrorenen darauf, in welchem Bunker wir denn nun herauskommen würden (die Orientierung hatte wohl nur noch unser zuverlässiger Bunkerführer)… Nun, das Hintertürchen des zuletzt besichtigten Teils war bereits offen. Jeder Bunker hat ein „Hintertürchen“ von ca. 2,3 Tonnen Gewicht. Manuelle Öffnungszeit zu zweit: ca. 2 Abende. Nicht unglücklich, dass uns irgend eine gute Seele diese Arbeit abgenommen hatte, traten oder krochen wir durch die Öffnung ins Freie. Angenehme 19 Grad und herrliches Frühlingswetter warteten auf uns. Nach einem kurzen Blick auf die geöffnete Schiessscharte und die gut getarnte 2,5 Meter dicke Betondecke gings noch auf einen kurzen Abstecher ins Bunker-Café, in welchem uns noch die Bauplanübersicht erläutert wurde.

Für die eindrückliche Führung bedanken wir uns noch einmal beim Unteroffiziersverein Thun und bei Dänu Zaugg für die originelle Idee. Schön, können wir heute diese Anlage besichtigen, ohne dass aus ihr zwischen ihrer Bauzeit 1942 und ihrer Schliessung jemals hätte ein einziger Schuss abgefeuert werden müssen…

Nachdem alle wieder etwas aufgetaut waren, gings dann gemeinsam Richtung Thun, der Liederabend wartete…

Damit wir nicht ein Restaurant mit unserem hochstehenden Gesang „aufmischen“ mussten, reservierte SPECIAL-EVENTS für diesen Abend den „Venner Zyro“ Turm in Thun. Kaum im Turm angekommen, hetzte Rolf schon mal alle hoch auf die Turmzinne im 5. Stock. Alle, die diese Höhe schafften, wurden durch die prächtige Aussicht für Ihren Aufstieg belohnt. Im 3. Stock warteten dann schon die von Ursula Aeberhard vorbereiteten „Pizza-Bausätze“ und Zutaten. Der Gaumenschmaus konnte beginnen. Wenn es heute Mitmenschen gibt, die lauben, dass nur ein Magenband ein leichteres Essen ermögliche, hätten wir also auch hier einen Lösungsansatz: Das MioStar-Raclett-Öfeli mit dem voll krass pizzahöhenbeschränkendem Einschub. Trotzdem, satt wurden wohl alle.

Kurz nachdem auch der zweite Pizza-Ofen ausgeschaltet war, verteilte Rolf die Liederbücher und Ursula Affolter baute ihr Keyboard auf: Es konnte losgehen. Von A wie „Alperose“ bis Z wie „Zündhölzli“ wurden wir von den beiden Ursulas durch den Abend begleitet. Affolter’s Ursula sorgte für den Ton und die Musik, Aeberhard’s Ursula sorgte für’s leibliche Wohl. Und selbst wenn einmal der Ton nicht gefunden wurde, sangen trotzdem alle kräftig mit. Der Sack voller Rhythmus-Instrumente motivierte alle zum mitmachen. Gleich nach Polo Hofer’s Alperose offerierten Sigi und Rolf den Anwesenden mit dem Duett „Lääri Dose“ einen musikalischen und vor allem humorvollen Leckerbissen. Nicht immer ganz rein, aber zumindest eine gute B-Note hätten die Beiden also verdient gehabt.

À propos Leckerbissen: Als Dessert wurden wir mit falschen Spiegeleiern verwöhnt. Nach dem Dessert ging’s weiter mit „Bruttosozialprodukt“ und „Sierra Madre“, sicher als einem der harmonischen Höhepunkte. Die gute Stimmung führte dazu, dass die Familien mit Kindern und die ÖV-Reisenden quasi erst „Last Minute“ um ca. 23 Uhr die Heimreise antraten. Die letzten Lieder verhallten erst kurz vor Mitternacht.

Ein gelungener Doppel-Event neigte sich seinem Ende zu. Von der Kühle des Bunkers über das tolle Nachtessen bis zu den von allen genossenen Liedern… Bleibt zu hoffen, dass dies nicht der letzte Event mit etwas Gesang war…

Wir möchten auch danken. Zum einen ganz herzlich allen Teilnehmenden. Andreas Schneiter, Bänz Janz, Christian Pfund und Giovanna Severgnini „ersparten“ sich den Gesang und beschränkten sich auf den Bunkerbesuch. Claudia, Sarah und Leandro Kübli, Sabine und Nina Zaugg, Ursula Affolter sowie Karin Zbinden waren nur am Abend im Turm dabei, während Daniel Zaugg, Andreas Kübli, Ursula Aeberhard, Rolf Peter, Fritz Affolter, Therese Tschumi, Lie Burkhalter, Sigi und Beatrice Dervey den ganzen Anlass über sich „ergehen“ liessen.

Danken möchten wir aber auch ganz herzlich an Ursula Affolter für den „irren“ Sound, Daniel Zaugg für die Organisation des Bunkerbesuchs, Ursula Aeberhard für die kulinarischen Höhenflüge und Rolf Peter für die Organisation des Gesamtevents und der Vorbereitung der Liederbücher.