10./11.08.2019 FINAL HIKE

HÜERU GÜAT!!

Tag wohl – das war sie nun also, die letzte Wanderung mit SPECIAL-EVENTS!

Unser Eventorganisator Rolf hatte in weiser Voraussicht das Wallis als Ziel der zweitägigen Tour ausgesucht – seine beiden besseren Hälften Petrus und Ursula (äääh? Ich war noch nie gut im Rechnen…!) haben dafür gesorgt, dass wir eine perfekte Runde, oder besser gesagt ein schönes Achti, im Saasertal – wieder falsch! – in der Freien Ferienrepublik Saas-Fee drehen konnten….

Tag 1 – Der gemütliche Stauseerundgang

Die Anreise erfolgte stilvoll in der SBB 1. Klasse. In Bern reservierten Sigi, Giovanna, Fritz und die Autorin Sitze für die Thun-Gruppe, bestehend aus Gere, Siuv, Rolf und Ursula. Therese, die 9. im Bunde, konnte aus arbeitstechnischen Gründen erst zum Znacht dazustossen – wirklich kein Schläck, wenn man jeden Samstag arbeitet! Und dann auch noch eine stündige Verspätung in Kauf nehmen muss, weil in Münsingen die Patienten aus den Zimmern auf die Geleise flüchten… Forza Theres!

Aber ich greife vor. Ein Schritt nach dem anderen.

Zuerst kam die denkwürdige Anreise mit dem Poschi von Visp nach Saas-Grund. Dort verliess die erste Gruppe abtrünniger Kaffee- und Ovo-Tanten die Haltestelle, um ihrer Sucht zu frönen. 40 Minuten später, als alle, wirklich alle Sitze des 2. Postautos durch Wanderer, Biker, Kletterer und vielleicht den einen oder anderen Einheimischen auf dem Weg zum Jodlerfest in Saas-Almagell besetzt waren, zwängte sich tatsächlich noch ein kompletter Jodlerclub dazu! Die Jodler hatten sich an der Haltestelle „echli“ fürs Fest eingesungen und waren bester Laune. Die Damen in prächtiger Walliser Sonntagtracht mit Handtäschli in der einen und einem kleinen, quadratischen Holzköfferli in der anderen Hand.

Das Holzköfferli… Rätsel, Rätsel ???….: Proviant? Haustier -maximale Grösse Hamster? Schmuckkassette? Urne? NEIN! Wir wurden als unwissende Üsserschwizer von der äussert gesprächigen und gmögigen Oberjodlerin darüber aufgeklärt, dass darin die kostbare Trachtenhaube transportiert wird, die aus ca. 170m schwarzem Seidenband aufgefältelt und deshalb ein Vermögen wert ist. Der jodelnde Schreiner im Club stellt diese Köfferchen extra für seine Kolleginnen her – das ist ein Service! Ganz nebenbei gab die selbstbewusste Dame auch gleich noch Tipps, weshalb Kurzhaarfrisuren zwar praktisch, aber eben auch teuer werden können, wenn man nicht weiss, wo günstige Coiffeure zu finden sind. Es gibt solche also auch in der Üsserschwiz! Ursula weiss jetzt genau wo: Über sieben Brücken, hinter dem linken Scheiterhaufen abzweigen und dann ist es das vierte Bauernhaus von rechts, im Schopf neben den 7 Geisslein, kürzt einem das tapfere Schneiderlein die lockigen Haare mit der Tondeuse für nur 17.– Oder so ähnlich! Und dann behaupten die Leute, die Walliser seien schweigsam gegenüber Ausländern!!!!

In Saas Almagell stürzten sich die Jodler dann ins Festgetümmel und wir strebten im geleerten Poschi höheren Gefilden entgegen: Dem Mattmark-Stausee auf knapp 2200 M.ü.M. Wieder was gelernt: Der dortige Staudamm ist der grösste Aufschüttdamm Europas! Sieht cool aus, ein Riesensteinhaufen. Die Erbauer hatten aber auch Pech. Trotz der damals noch nicht dramatischen Klimaerwärmung kam es zu einem Gletscherabbruch und blöderweise waren die Arbeiter in Hütten direkt darunter untergebracht. Nicht schlau geplant. Zu fest an Gott geglaubt! Verdient hat das keiner.

Kaum waren wir allerdings oben, senkte sich der Nebel über die Landschaft und wir mussten einfach einen weiteren Kaffee und/oder Früchtekuchen nehmen, bevor wir uns an die Seeumrundung machen konnten. Ziemlich genau auf halben Weg lichteten sich dann die Nebel und wir fanden nicht Avalon, aber eine wunderschöne Aussicht über den See! Die Sonne war schon wieder so stark, dass die stiebenden Wasserfälle unterwegs eine durchaus erwünschte Erfrischung brachten. Eine kalorien-haltigere Erfrischung brachte anschliessend das Bergrestaurant Mattmark, das neben den feinen Früchtekuchen auch noch andere Überraschungen parat hatte. Die Autorin z.B. bestellte um 13.30 unschuldsvoll ein Zvieriplättli. Neben dem köstlichen Speck, Wurst, Alpkäse und Brot stand auch ein GROSSES Glesli Chrüterschnaps parat! Ehrlich: Es stand nicht auf der Karte, ich habe es nicht gewusst! Und natürlich trotzdem, mit Genuss und einem 3. Kaffee, getrunken 😊

Durch das schöne Wetter (oder die hohen Prozente im Glesli ?) aufgemuntert, beschlossen alle, ausser dem kniegeschädigten Gere, die eigenen Füsse statt das Postauto für den rund 2 stündigen Abstieg nach Saas Almagell zu nehmen.

Für einige war dabei die Durchquerung einer gemütlich widerkäuenden Herde echter Eringer Kampfkühe eine grössere Herausforderung als eine schwankende Hängebrücke oder eine steile Eisentreppe im Fels hoch über dem Tal zu bewältigen…. Die Geschmäcker und die Ängste sind eben verschieden! 

Im Tal angelangt verschwanden die meisten zuerst im Volg und dann in der Dusche des komfortablen Hotels Kristall-Saphir-Diamant-Rubin-Smargad-Beryll-Jade und so weiter…
Einzig die Hard-Core Säuferinnen Giovanna und Isabelle genehmigten sich am Jodlerfest noch einen Heida zum Apéro auf mittlerweile wieder nüchternen Magen…! Aber nur, weil das Jodlerchörli vom Morgen, gerade seinen Auftritt auf der Bühne hatte, nicht wegen des Alkohols, überhaupt nicht! Ehrlich!

Um 18 Uhr haben wir es dann auch noch ins Hotel geschafft (Ursula behauptete, wir hätten dabei ziellos und unmotiviert mehrfach die Strassenseite gewechselt: Ich bestreite diese Interpretation energisch!) und sind mit etwas Verspätung zum Znacht eingetroffen- zeitlich fast perfekt auf Theres’ Ankunft abgestimmt, so dass niemand alleine Essen musste. Aber fortschreitendes Alter, Alkohol, Arbeit, Sonne und Wandern forderten auch auf dieser Tour ihren Tribut unter den bald geriatrischen Teilnehmenden und schon um 22h war Lichterlöschen angesagt und tschüss!

Tag 2 – Der «rassige Erlebnisweg» und andere Höhepunkte

Das Hotel hat bestimmt eine Hühnerfarm angegliedert! Nach den köstlichen Omeletten vom Vorabend gab es zum Frühstück das beste Rührei EVER! 

Gut gestärkt und bester Laune, da Petrus die angekündigte Wetterwechselfront in den späteren Nachmittag verschoben hatte, machten wir uns pünktlich, PÜNKTLICH! um 8.30 auf den Weg zum Volg – diejenigen, die um 8.30’25’’ vor der Türe standen, hatten Pech und wurden links liegengelassen. Sie holten uns natürlich an der Volg Kasse wieder ein und wir starteten gemeinsam mit dem Sesselilift gegen Furggstalden, zum Ausgangspunkt des Erlebniswegs. Gottseidank wusste ich nichts von den luftigen Eisentreppen, den gut gesicherten Leitern und den schmalen Pfaden, die sich ziemlich dramatisch um vorstehende Felsecken in luftiger Höhe winden – die beiden Hängebrücken waren ein Dreck dagegen! Technisch ist der Weg nicht schwierig, aber stolpern oder abrutschen will man trotzdem nicht an einigen Stellen! So war es gerade recht: Eine Herausforderung, um seinen Ängsten zu begegnen, die Hürden im eigenen Kopf zu meistern. Echli stolz darf man schon sein, wenn man, wie die Autorin, nicht ganz schwindelfrei ist und es ohne Panikattacke geschafft hat. Ich werde aber definitiv keinen Kurs mehr im Bergsteigen oder Klettern belegen, NEIN! 

Die weitere Wanderung das Tal hinauf zum Berghotel Almagelleralp war dann stressfrei und wunderschön. Natürlich durfte auch dort eine Verpflegungspause nicht fehlen und wir konnten den frischesten Zwetschenkuchen futtern, der direkt aus dem Ofen kam und nicht nur warm, sondern noch heiss war. Clever Fritz hat eine Portion Schlagrahm obenauf bestellt, damit der Kuchen schneller abkühlt und schneller vertilgt werden kann… Auch eine Technik! Oder besser gesagt: Auch eine gute Ausrede, gäu Fritz!

Die anschliessenden rund 300 Höhenmeter Aufstieg wurden durch prächtige Ausblicke auf die Mischabelgruppe belohnt. Gruppenbild mit Hintergrund! WOW! Wesentlich mehr Wanderer kamen uns entgegen als mit uns aufstiegen und unsere Neunergruppe löste manchen Spruch aus, nach dem Motto: Ist das eine Herde oder was? Wie viele kommen denn noch? Isch es das itze?

Junge Familien führen ihre Kinder heute übrigens nicht mehr an der Leine, sondern kontrollieren sie mit dem WalkieTalkie…. Vielleicht ist die Chance dabei grösser, dass sie selbständig werden? Oder dass man sie nicht bis Mitte Dreissig durchfüttern muss, wenn sie vorher abstürzen?? Jaaa, ich weiss, grenzwertiger Witz! Sarkastisch gemeint…. Andere Wanderer lassen sich von ihren Huskies statt über Schnee über schmale Bergpfade ziehen, auch eine wirklich intelligente Variante, möglichst bald in den Statistiken aufzutauchen…

Mittagsrast hielten wir im Schatten und Schärmen von einigen Baumaschinen und rostigen Trägerpfosten, denn vorher und nachher war der Pfad zu schmal und zu steinig für eine gemütliche Pause.  Eine spannende Passage ist dann der Durchgang unter den Lawinenverbauungen ob Saas-Grund. Der Wanderweg führt mitten hindurch und es ist schleierhaft, wie man solche massiven Verbauungen in diese steile Wand einbauen konnte. Eindrücklich, wenn man mitten drinsteht! 

Um den Berg herum führt die Wanderung dann ebenen Wegs grösstenteils durch Felsbruch, man muss aber aufpassen, dass man sich den Fuss nicht verknackst. Schliesslich kommt die Mittelstation Kreuzboden ins Blickfeld, die in sanftem Abstieg nach einer guten Stunde erreicht ist. 

Da die Schlechtwetterfront sich erst mit einigen Wolken am Horizont ankündigt, beschliessen wir in Kreuzboden, noch die Gondel auf über 3100 zu nehmen, um den spärlichen Gletscherresten etwas näher zu kommen. Der Bürgerpass ermöglicht das ja kostenfrei. Das nicht sehr anmächelige Bergrestaurant im Stil einer Marsstation veranlasst uns dann aber doch, die abschliessende Runde Flüssigkeiten im Kreuzboden zu bestellen. Fritz, Theres und Gere verlassen uns eine halbe Stunde früher und wir sehen, als wir uns vom Kreuzboden abseilen lassen, ihr Poschi abfahren. 

In der Gondel steigen bei zwei von Urängsten getriebenen Damen noch kurz die Herzfrequenzen heftig an und der Angstschweiss perlt: Einmal macht die Gondel eine laaaange, schwankende Pause und kurz vor der Talstation kommen dann die ersten heftigen Windböen der Kaltfront, die die Wipfel der Bäume sichtbar schütteln und beugen und wilde Fantasien von ausgehängten Gondeln und freiem Flug ins Tal auslösen…. 

Aber positiv formuliert: Das Timing ist perfekt! Wir haben gerade noch Zeit, die Hauptstrasse bis zur Post hochzulaufen, um uns Sitzplätze im bumsvollen Poschi zu sichern, bevor die ersten Regentropfen fallen. Wir erwischen den Expresskurs und fahren mit wenigen weiteren Halten direkt hinunter ins tüppig-heisse Visp. Ursula und Rolf verabschieden sich dort auf den Lötschberger und Siuv wird in Thun im strömenden Regen abgeholt. Aus dem Start-Quartett wird damit das Schluss-Trio und erreicht müde und zufrieden Bern. Es hat sogar noch gereicht, mit dem Velo heim zu fahren, bevor der nächste Regenguss kam!

Auch Petrus hat sich also nicht lumpen lassen für unsere letzte SPECIAL-EVENTS Tour. Merci villmal!

Jetzt werde ich auf den letzten Zeilen nochli nostalgisch:  Es gab auf unseren Wanderungen jedes Mal lustige und weniger lustige Momente, es gab strengere und gemütlichere Etappen, es gab bessere und schlechtere Hotels, es gab trübe und strahlende Tage, es gab fittere und schlappere Teilnehmer, es gab köstliches Essen oder Junk-Food aus dem Rucksack – aber jede Wanderung mit SPECIAL-EVENTS, wirklich jede, war einzigartig und ich habe keine einzige bereut! Viele schöne Gegenden konnte ich dabei entdecken, ohne je einen Finger oder eine Hirnzelle zu rühren, nur die Füsse musste ich bewegen….

Gute Wanderkollegen, ein toller Teamgeist, die Freude an der Bergwelt ohne den kompetitiven Gipfelstress, ein den Teilnehmern angepasstes Niveau und eine immer perfekte Organisation:  VIELEN HERZLICHEN DANK ALL DENEN, DIE DAS ERMÖGLICHT HABEN UND ALL DENEN, DIE ES GENUTZT HABEN!

12.8.2019 – Isabelle, enthusiastische Wanderberichtschreiberin der ersten Stunde, Bern