03.+ 04.08.02 DAMPFHAMMER 02

„Treffpunkt: Sam. 3. August 2002 ab 08.00 zu Kaffee und Gipfeli, Grubenstrasse 53, Schönbühl“ ungefähr so lautete eine knappe Meldung, welche Tourorganisator Daniel Rothen den sechs übrigen angemeldeten Leute über E-Mail hat zukommen lassen. Obwohl der Wetterbericht nicht all zu rosige Aussichten versprochen hat, treffen an besagtem Datum Meggi, Ändu und Dänu Zaugg fast gleichzeitig am Treffpunkt ein. Die drei lassen sich mit den versprochenen Gipfeli, Gabrielas selbstgebackenem Zopf und gutem, warmem Kaffee verwöhnen. Die ersten angeregten Gespräche zeigen, dass die Dampfhammer-Reise bereits ein paar Momente vorher begonnen hat. Ändu ärgert sich über einige Blessuren an seiner neuen Varedero, welche von einem Umkippen aus dem Stand stammen. Dänu Zaugg freut sich über sein frisch erstandenes Regenkombi und Dänu Rothen zählt auf, wer sich schon alles telefonisch abgemeldet hat. Der Himmel zeigt auch nach unserer zweiten Tasse Kaffee bloss sein tristes, wässeriges Grau.

Langsam beginnen die fünf Motorradfahrer sich zu überlegen, ob sich Dampfhammer nicht auch mit einem Auto durchführen liesse. Vorsichtshalber zeigt uns Gabriela noch ein Bild vom höchsten Wasserfall Deutschlands, falls wir diesen witterungsbedingt nicht besuchen können. Kurz nach 9 Uhr gibt man sich aber einen Ruck und zieht die Töff-Montur wieder an. Zeigt der Himmel da nicht ein paar hellere Stellen? Jedenfalls hell genug, dass wir vorläufig auf die Regenkombis verzichten. Mit vier sehr unterschiedlichen Fahrzeugen wagen wir uns auf die Dampfhammer-Tour. Reiseleiter Dänu Rothen und Gabriela Walther sitzen auf ihrer Yamaha FZR Exxup, Meggi Jeker steuert die Honda Shadow, Ändu Kübli thront auf seiner Honda Varedero und Dänu Zaugg auf seiner African Twin. Von Schönbühl aus starten wir zu unserer ersten Herausforderung, dem Grenchenberg.

Am Jura-Südfuss setzt dann auch erwartungsgemäss der Regen ein. Leader Dänu kümmert das sehr wenig, und er zieht das erste Teilstück voll durch; die Regenkombis bleiben im Gepäck im trockenen. Im Berner Jura begrüssen uns auf der Strasse weidende Pferde. Auch ihr Fell ist nass. Trotzdem lässt sich Dänu von Gabriela überzeugen, dass es besser ist, die Fahrt gleich durchzuziehen. Die Regenkombis bleiben im Gepäck im trockenen. Erst ausgangs Delémont gönnt uns der Reiseleiter eine Kaffeepause. Ändu kann endlich seine Augen erholen, denn er empfindet Meggis Rücklicht als zu grell. Es sieht so aus, als stehe er immer auf den Bremsen. Tatsächlich leuchtet das Bremslicht ständig auf, aber zum Glück ist dies der einzige Defekt, welcher unsere Maschinen befällt. Der Regen hat wieder etwas nachgelassen und so fahren wir – ohne übergestreifte Regenkombis – weiter Richtung Grenze. Diese passieren wir bei Lucelle.

Die Tour führt uns nun durch das malerische Elsass. Sogar die Sonne will uns nun begleiten. In Altkirch wäre eigentlich ein Halt zur Mittagsrast vorgesehen. Da aber kein Restaurant geöffnet ist, bleibt uns nichts anderes übrig als diese Rast nach Deutschland zu verlegen. In Müllheim spricht uns dann eine Menukarte besonders an und die servierte an Lebere, Spätzle und anderes Fleischle munden uns wunderbar. Am Nachmittag führt uns Daniel im südlichen Schwarzwald durch das Münstertal. Die wenig befahrenen Strassen lassen Freude in unserer Dampfhammer-Truppe aufkommen. Bald schon erreichen wir Todtnau, wo wir unseren Maschinen erst mal den Durst löschen. Ha! So wenig habe ich für eine Tankfüllung schon lange nicht mehr bezahlt! Diese Illusion erlischt aber sofort, da wir in EURO bezahlen müssen. Wir entscheiden uns, direkt nach Todtnauberg zu fahren und erst einmal unser Quartier zu beziehen und dann noch irgendwo hinzufahren.

Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir den Luftkurort Todtnauberg. Über viele verwinkelte Strässchen und als Dessert eine frisch gesplittete Strecke erreichen wir das Hotel Rübezahl. Wir beziehen unsere Zimmer, Schnarcher Meggi erhält das Einzelzimmer, notabene mit Fernseher. Das eher trübe Wetter hat auch den Temperaturen arg zugesetzt. Trotzdem stösst Gabriela bei der Wirtsfrau auf Unverständnis, als sie feststellt, dass die Heizung nicht funktioniert. Vielleicht hätten wir unseren eigenen Ofen mitbringen sollen und dafür auch noch einen Zuschlag bezahlt, genau so wie es der Tarif mit privaten Fernsehgeräten vorsieht. Nach einer knappen halben Stunde treffen wir uns wieder und satteln erneut unsere Motorräder. Weil Ändu nicht besonders gut zu Fuss ist verzichten wir auf den Besuch des höchsten Wasserfalls Deutschlands (wir haben ihn schliesslich schon auf Fotos gesehen …!), und orientieren uns nach höheren Regionen. Auf der Fahrt stossen wir auf ein Werbeschild eines Aussichtsrestaurants. Leider steht direkt daneben ein Fahrverbot mit dem Zusatz „Anstösser gestattet“. Dürfen wir nun, oder dürfen wir nicht? Wir wagen es und finden nach 2½ km Natursträsschen besagte Gaststätte.

Zurück im Rübezahl geniessen wir warme Duschen und bereiten uns für Ausgang am Abend vor. Klar, dass wir nach der überaus „freundlichen“ Heizungsepisode in einem anderen Restaurant nachtessen wollen. Wir entscheiden uns, ins Städtchen zu marschieren. Auf den Fahrten am Nachmittag haben wir uns ein paar vielversprechende Häuser gemerkt. Das Restaurant Sternen scheint das anmächeligste Angebot aufzuweisen. Die servierten Teller sind überaus reichhaltig beladen und die Speisen schmecken ausgezeichnet. Vor dem Dessert wollen wir uns im Billard-Stüble etwas Bewegung verschaffen. Vor dem Lokal lauert ein schwarzes Tier, von dem wir immer noch nicht genau wissen, ob das nun ein Hund oder eine Katze gewesen ist. Leider erweist sich die Gaststättenbeschriftung als Flop. Der einzige Billard-Tisch wird von Kindern belegt und ist ausserdem in einem schlechten Zustand. Auch die übrigen Spiel-Maschinen wecken in uns nicht das nötige Interesse. So beschliessen wir, uns im Mangler einen Schlummertrunk zu genehmigen und uns dann schlafen zu legen (oder wie Meggi noch ein wenig fernzusehen …).

Am anderen Morgen herrscht wiederum trockenes Wetter, ab er so richtig freundlich wirkt es auch nicht. Um 8 Uhr ist Frühstück angesagt. Der Wirt zeigt sich von seiner besseren Seite und präsentiert ein reichhaltiges Morgenbuffet. Wir schlagen unsere Bäuche so voll, dass wir die geplante Abfahrt erst einmal um eine halbe Stunde verschieben müssen. Nachdem ein netter Zimmernachbar uns von seinem Balkon aus fotografisch verewigt hat, verlassen wir Todtnauberg und rollen hinunter nach Todtnau, hinauf auf den Feldberg und weiter an den Schluchsee. Heute herrscht viel mehr Verkehr auf den Strassen als gestern, aber noch sind die Strassen trocken und unsere Regenkombis im Gepäck verstaut. In St. Blasien legen wir unseren ersten Halt ein und ruhen uns bei Kaffee und Eis aus. Via SMS erfahren wir, wie wechselhaft schlecht das Wetter in der Schweiz ist. Daniel Rothen führt uns dann weiter durch Süddeutschland, um bei Säckingen in die Schweiz zurückzukehren. Auf der Saalhöhe rasten wir dann zum zweiten Mal an diesem Tag. Zum Mittagessen fehlt uns aber noch der nötige Appetit. In Kölliken entscheiden wir uns, die Dampfhammer-Tour auf der ursprünglich geplanten Entlebucher Route zu Ende zu fahren, und nicht wetterbedingt abzukürzen. Noch ist das Wetter trocken und unsere Regenkombis können weiterhin im Gepäck bleiben. In Sursee wollen wir mittagessen. Die Speisekarte ist nicht mehr so umfangreich wie im Ausland, und der chinesische Ober hat offensichtlich Mühe, unsere Wünsche zu verstehen. Die ersten Regentropfen bedecken die Pflastersteine des mehr oder weniger verkehrsfreien Städtchens. Wir beschliessen deshalb, nun doch nicht durch das Entlebuch zu fahren sondern über Huttwil. Regenkombis? Also so fest regnet es ja nun auch wieder nicht, sie bleiben weiterhin im Gepäck verstaut. Wir fahren wieder los. Der Regen wird nun doch immer wie stärker. Dennoch hält für alle etwas überraschend Dänu bereits in Hüswil wieder. Darüber sind aber doch einige von uns froh, denn der Regen hat auf verschiedene Blasen immensen Druck ausgeübt … Bei dieser Gelegenheit tanken wir unsere Töffs noch einmal auf – und lassen unsere Regenkombis dort, wo sie bisher verstaut gewesen sind.

Vor der altehrwürdigen Mosterei in Ramsei nehmen wir von der Dampfhammer-Reise und seinen Teilnehmern Abschied. Dänu Zaugg biegt Richtung Thun ab, und kurze Zeit später verlässt Meggi die Schar Richtung Solothurn. Ein gelungenes Wochenende geht also zu Ende. Ein riesiger Dank geht an den Tourverantwortlichen Dänu Rothen. Die Organisation hat hervorragend geklappt, die Dampfhammer-Tour ist abwechslungsreich gewesen und keinesfalls eine Tortour. Im nächsten Jahr erwarten wir aber eine Steigerung; dann soll uns auch das Wetter gut gesinnt sein.